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BASKET

Einordnen, Zeit geben und ruhig bleiben

Die Freude war groß, als Elias Harris, Dennis Schröder und Tim Ohlbrecht allesamt in einem NBA-Kader standen. Eine wahre Euphoriewelle ging durch Basketball-Deutschland und die Vision, dass die Nationalmannschaft in den kommenden Jahren zu den besten Europas gehören werde, machte die Runde. Doch nun, nur ein paar Monate später, zeigt sich die harte Realität und jeder muss einmal mehr einsehen, dass der Weg in die beste Basketballliga der Welt brutal schwer ist!

Nachdem es zunächst Tim Ohlbrecht war, der noch vor Saisonstart von den Philadelphia 76ers entlassen wurde und mittlerweile wieder in der D-League spielt, folgte mit Elias Harris der zweite deutsche Profi, den die Los Angeles Lakers ebenfalls vor die Türe setzten. Und nun hat es also auch die größte Hoffnung unter den drei deutschen NBA-Newcomern erwischt: Dennis Schröder wurde von den Atlanta Hawks ebenfalls in die „zweite Liga“ geschickt.

Haben die drei Jungs versagt?

Elias Harris in Action für die Lakers.

Elias Harris in Action für die Lakers, die ihn vor einiger Zeit waivten.

Wie so oft im Leben kann man alles aus zwei Perspektiven sehen!

Möglichkeit 1:

Die drei Deutschen hatten einfach Pech. Tim Ohlbrecht hätte als Dwight Howards Backup in Houston spielen und den Star-Center entlasten können. Doch Houston hielt an Omer Asik fest, der nun lieber sofort als gleich getradet werden möchte. In Philadelphia passte Tim zwar gut ins Team und alles sah gut aus – lest dazu das Interview mit ihm in der neuen BASKET 01/2014 😉 –, musste sich aber dennoch damit abfinden, dass Philly vermehrt auf Small-Ball setzt und lieber die Kollegen Spencer Hawes, Lavoy Allen, Daniel Orton und Brandon Davies auflaufen lässt. Bitter!

Elias Harris passte perfekt in den Kader der Lakers und das Spielsystem Mike D’Antonis. Aber: Jordan Hill spielt plötzlich sehr solide, weshalb Pau Gasol auf die Vier kann. Und auch Xavier Henry agiert unerwartet stark. Hinzu kommen Chris Kaman und Shawne Williams, die unter dem Korb auflaufen. Für Harris blieb damit weder auf der Vier noch auf der Drei noch Platz, da gleich mehrere Spieler eine gute Saison spielen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass Kobe Bryant erst noch zurückkommen wird, waivten die Lakers Harris. Bitter!

Und Dennis Schröder? Naja, wer hätte gedacht, dass die Hawks im Osten das drittbeste Team sein würden? New York, Brooklyn, Chicago und Co. schwächeln, die Hawks nicht. Gleichzeitig spielen die Guards aus Atlanta ganz stark auf, weshalb Schröder Probleme bekam – lest dazu den Artikel über Dennis Schröder in der aktuellen BASKET 01/2014 😉 – und vermehrt auf der Bank saß. Und da die Hawks wollen, dass er sich entwickelt und Spielminuten erhält, parken sie ihn in der D-League. Für die Franchise zählt nun nur die Playoff-Quali auf einem möglichst guten Platz. Und das geht zu Lasten des Deutschen. Bitter!

Tim Ohlbrecht ist zurück bei den Rio Grande Valley Vipers.

Tim Ohlbrecht ist zurück bei den Rio Grande Valley Vipers in der D-League, wo er sich bestens auskennt.

Möglichkeit 2:

Tim Ohlbrecht konnte sich bei zwei Teams nicht durchsetzen. Er hatte zweimal die Chance, sich im NBA-Kader einer Franchise fest zuspielen, aber hat sie nicht genutzt. Der Big Man hat kein NBA-Niveau und das wurde ihm vermittelt, indem ihm zwei Teams die Tür gezeigt haben. Die D-League ist nur eine Notlösung, da die Mannschaften aus Europa bereits mitten in der Saison waren. Er wird den Sprung in die NBA nie mehr schaffen, weil er auch schon 25 Jahre „alt“ ist. Wahr doch vorher klar!

Elias Harris hat die Chance seines Lebens vertan. Nicht, weil er jetzt bei den Lakers gefeuert wurde, sondern weil er sich nicht vor ein paar Jahren zum Draft anmeldete, als er von der US-Presse und vielen Experten als „nächster Shawn Marion“ gehandelt wurde. Der Hype war groß, er hätte mit Anfang 20 den Sprung wagen sollen und sich in der Liga als „junger Mann“ etablieren können. Dass er es nun bei den Lakers, nachdem seine Zahlen am College nicht mehr so stark waren, nicht schafft, ist kein Wunder. War doch vorher klar!

Und Dennis Schröder? Der Junge wurde einfach nur gehypt. Er hat in der BBL nicht überragt, nicht auf europäischem Spitzenniveau gespielt, keine College-Erfahrung gesammelt. Und dann soll er einfach mal mit 19 Jahren in die NBA und dort zur Stammkraft werden? Unmöglich. Erst recht dann, wenn er sich so verhält wie gegen DeMarcus Cousins – der „Unterleib-Griff“ ist jedem noch gut im Gedächtnis – und direkt mal suspendiert wird. War doch vorher klar!

Dennis Schröder kommt gegen Orlando auf vier Punkte.

Dennis Schröder wird für geraume Zeit nicht mehr für Atlanta in der NBA spielen.

Ganz gleich, welche Möglichkeit eure Meinung trifft, wir sollten einfach zwei Dinge anerkennen: Zum einen haben alle drei Jungs verdammt viel Mut bewiesen, sind allesamt unterschiedliche Wege gegangen und haben – das wurde in den Gespächen, die wir mit ihnen geführt haben, deutlich! – alles dafür getan, dass sie in der NBA spielen können. Nun mussten sie einen Rückschlag wegstecken, aber das ist kein Problem. Ihre Chancen, in der besten Basketballliga der Welt unterzukommen, sind noch lange nicht begraben. Und sie waren ja nie „Supertalente“ oder „kommende Superstars“!

Und zum anderen zeigen diese drei Beispiele einmal mehr, wie sehr man Dirk Nowitzki loben und ehren muss! Ja, Dirk ist damals mit 20 Jahren in die NBA und hat sich durchgesetzt. Keine D-League, kein Wave. Dirk Nowitzki ist der beste europäische Basketballer aller Zeiten und auch einer der größten NBA-Profis – eben weil er diesen so unfassbar schweren Weg gemeistert hat und zum Superstar aufgestiegen ist. Und unsere drei „Youngster“ sind nicht Dirk. Einen wie Dirk gibt es in Deutschland vielleicht nur einmal in 50 Jahren.

Unsere drei Jungs werden sich nun aufraffen müssen, können sich dabei aber an Nowitzki orientieren. Der hat immer weiter gemacht und nicht nachgelassen. Und wenn Dennis, Elias und Tim das nun auch beherzen – und davon ist auszugehen! –, werden ihre NBA-Träume weiterleben. Sie brauchen unsere Unterstützung und wir sollten sie ihnen geben. Sie sind nunmal keine „German Wunderkinder“. Davon hatten wir (bisher) eins und das bleibt (vorerst) auch so. Aber wir könnten alsbald mit Elias Harris, Tim Ohlbrecht und Dennis Schröder drei weitere Deutsche in der NBA haben.

Also: Abwarten, Zeit geben, Tee trinken und nicht alles schlechter reden als es ist!

To be continued…