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BASKET

Detroit schlägt San Antonio mit neuem Coach

Das nennt man dann wohl einen Einstand nach Maß: Die Detroit Pistons haben im ersten Spiel mit ihrem neuen „Headcoach“ einen 109:100-Heimerfolg über die San Antonio Spurs eingefahren. Die erste Partie unter John Loyer, der als Interims-Coach auf den gefeuerten Maurice Cheeks gefolgt ist und zuvor als Co-Trainer agierte, hätte damit kaum besser laufen können.

Nach einem ausgeglichenen ersten Viertel (25:24) bauten die Hausherren im Palace of Auburn Hills ihre Führung dank eines starken zweiten (34:24) und dritten (33:24) Spielabschnittes weiter aus, die Gäste vermochten die Begegnung in den letzten Spielminuten nicht mehr zu drehen. Detroit wirkte wach und nutzte jede noch so kleine Schwäche der Spurs gnadenlos aus. Bester Beweis dafür: Die Jungs aus „Mo-Town“ erzwangen gleich 19 Ballverluste auf Seiten der Texaner und holten 13 Steals.

Team auf unbestimmte Zeit: Detroits Interims-Coach John Loyer und Point Guard Brandon Jennings.

Team für unbestimmte Zeit: Detroits Interims-Coach John Loyer und Point Guard Brandon Jennings.

Während die Spurs nie wirklich ihren Rhythmus fanden, lief die Maschinerie bei den Pistons wie geschmiert. Starting-Point-Guard Brandon Jennings avancierte mit 21 Punkten einmal mehr zum Top-Scorer Detroits, wobei insgesamt eine starke Teamleistung für den Überraschungserfolg verantwortlich war: Rodney Stuckey (20 Zähler), Rookie Kentavious Caldwell-Pope (neun) und Will Bynum (acht) steuerten wichtige Punkte von der Bank bei. Das Fundament des Sieges legte aber die noch ausgeglichener agierende Starting-Five, in der jeder Akteur zweistellig scorte: Greg Monroe (15, zehn Rebounds), Andre Drummond (14, neun), Josh Smith (zwölf) und Kyle Singler (zehn) spielten allesamt sehr solide und hielten dadurch die Spurs in Schacht.

Mentaler Aufwind durch Entlassung

Liegt das nun alles am neuen Chef-Trainer? Ist John Loyer ein Zauberer? Um das sicher beantworten zu können, muss einfach noch mehr Zeit vergehen und mehr Spiele absolviert werden. Doch Trainerentlassungen und damit verbundene Neueinstellungen haben zumeist einen wichtigen mentalen Effekt: Dass die Pistons ungemein talentiert sind, war bereits zu Saisonbeginn unbestritten, doch die Franchise konnte ihr Potenzial einfach nicht kontinuierlich abrufen. Nun hat sich ein grundlegender Aspekt in ihrem Umfeld geändert – ein Weckruf? Vielleicht. Eine mentale Befreiung? Sowohl als auch. Denn zum einen haben die Spieler nun die Chance, sich neu zu beweisen und mit weniger Druck aufzuspielen. Ja, so eine Trainerentlassung kann durchaus befreiend wirken. Zum anderen aber, und das darf nicht außer Acht gelassen werden, sind die Jungs nun richtig gefordert. Denn wenn es jetzt nicht besser laufen wird als mit Maurice Cheeks, wird das Konsequenzen für das Team haben.

Der Coach ist in aller Regel immer der erste Mann, der das wankende Schiff in solchen Sport-Momenten verlassen muss – das war ja auch bei der Costa Concordia so. Aber wenn sich keine Besserung einstellt, wird es auch den Besatzungsmitgliedern (also den Spielern) an den Kragen gehen. Warten wir also mal ab…

Durch den Sieg über San Antonio steht Detroit jedenfalls mit 22 Siegen und 29 Niederlagen auf dem neunten Platz im Osten, punktgleich mit Charlotte, die den achten Rang besetzen. Und wie es der Zufall möchte, spielen die Pistons nun Zuhause gegen Cleveland und Charlotte sowie direkt danach in Charlotte. Drei wichtige Partien also. Für Neu-Coach John Loyer werden es weitere „Bewerbungsspiele“ sein, in denen er die Organisation davon überzeugen kann, der richtige Mann für Detroit und damit mehr als ein Interims-Trainer zu sein. Und das Team kann beweisen, dass es endlich bereit ist, ihr Potenzial abzurufen. Und wenn sie ihre aktuelle Siegesserie (drei Wins in Folge) ausbauen können, wird wohl auch klar sein: Es lag am Coach…