BASKET

Deans Corner: die NBA Finals 2018

Die Regular Season hätten wir uns quasi sparen können. Auch wenn sich beide Teams diese Saison etwas schwer getan haben, stehen letztendlich doch zum vierten Mal in Folge die Golden State Warriors und die Cleveland Cavaliers in den NBA Finals. Die Warriors sind haushoher Titelfavorit bei den Wettbüros in Las Vegas. Doch die Cavs haben mit LeBron James den besten Spieler dieser Generation in ihren Reihen, der in den diesjährigen Playoffs bisher Legendäres geleistet hat. Fast im Alleingang hat der Megastar das Team auf seinen breiten Schultern getragen und ins Finale geführt. Sollte der 33-Jährige wirklich das Unmögliche möglich machen und gegen die übermächtigen Nordkalifornier seinen insgesamt vierten Titel gewinnen, dann würde er sicherlich in der Diskussion um den besten Spieler aller Zeiten ein gehöriges Wort mitzureden haben. Dann bekäme der King seine Krone.

Ich bin immer wieder davon überrascht, wie wenige Cavaliers Fans es eigentlich über die Grenzen Ohios hinweg hier in den USA gibt. Viel mehr sind sie Lebron Fans, die Cleveland unterstützen, so lange er das Trikot dieser Franchise trägt. Auf der anderen Seite gibt es ein großes Lager derer, die den „King“ wegen seiner Spielweise nicht vergöttern, da er den Ball so stark monopolisiert. Die Warriors sind seit der Verpflichtung Kevin Durants im letzten Jahr auch nicht mehr „Everybody’s Darling“, aber der Spielstil mit viel Ballbewegung und vielen Dreiern begeistert weiterhin viele.

Müsste ich Haus und Hof auf ein Team setzen, würde meine Wahl auf Golden State fallen. Obgleich die Warriors keine überragende Saison gespielt haben, und André Igoudala weiterhin nicht hundertprozentig fit ist, haben sie einfach den besten Kader aller 30 NBA Teams. Alles in allem stehen in der Ersten Fünf des Titelverteidigers vier NBA All-Stars, die zudem noch eingespielt sind. Kevin Durant ist meines Erachtens der beste Scorer in der NBA. Keiner ist offensiv so variabel wie „KD“. Stephen Curry geht zwar teilweise zu sorglos mit dem Ball um, was wiederum zu vielen unnötigen Ballverlusten führt. Doch wenn das „Babyface“ heiß läuft, dann mutiert er zu einem Kunstschützen. Der einzige NBA-Spieler, der als reiner Shooter vielleicht sogar noch besser trifft als er, ist sein Mitspieler Klay Thompson. Wenn diese drei gleichzeitig ihren Rhythmus finden, sind sie quasi nicht zu stoppen. Ganz nebenbei haben sie auch noch einen Draymond Green in der Hinterhand, der offensiv sicherlich nicht seine besten Playoffs gespielt hat, aber die Defense zusammenhält wie Sekundenkleber und ab und zu auch offensiv Akzente setzen kann. Vergessen wir ebenfalls nicht, dass die Warriors zudem Heimvorteil haben. Die Oracle Arena wird aus den Nähten platzen und die Fans werden wie ein Mann hinter ihrem Team stehen.

Was müssen die Cavaliers tun, um eine Chance auf den Titel zu haben?

Sind wir doch mal ganz ehrlich: Cleveland hat nicht mehr als eine Außenseiterchance. Abschreiben darf man sie trotzdem nicht. Allerdings muss LeBron James dafür spielen wie von einem anderen Stern, und der Rest des Teams muss über sich hinauswachsen. „King“ James bleibt keine andere Wahl als seinen Mitspielern zu vertrauen. Der Ball muss laufen. Denn ganz alleine kann auch er so eine Serie nicht gewinnen. Tristan Thompson und Larry Nance Jr. müssen immens viele Offensiv Rebounds sammeln, um den Cavs zweite Chancen zu ermöglichen Kevin Love muss endlich mal spielen wie der All-Star, der er ist. Die Rollenspieler, wie J.R. Smith, Kyle Korver, George Hill und Jordan Clarkson müssen allesamt ihre Leistung abrufen und konstant punkten.

Alle Vorzeichen deuten auf eine Titelverteidigung der Jungs aus Oakland hin, aber so oder so hat diese Serie einiges zu bieten. Es könnten in der Tat LeBrons letzte Spiele im Trikot der Cleveland Cavaliers sein. Ein so großartiger Spieler lässt sich bestimmt nicht ohne Gegenwehr von den Warriors abschlachten. Da wird „Nummer 23“ noch mal alles geben, um sich nichts vorwerfen lassen zu müssen, wenn er dann tatsächlich nächste Saison in Houston, Philadelphia oder Los Angeles landen sollte.

Steph Curry dagegen hat zwar schon zweimal in der regulären Saison den MVP gewonnen, aber bei den vorherigen zwei Titelgewinnen der Warriors konnte er nicht wie gewohnt glänzen. Meines Erachtens hat er noch was zu beweisen. Auch das dürfte interessant werden.

Hier meine Prognose: Ich tippe auf eine Klatsche für LeBron. Sieg der Warriors in fünf oder sechs Spielen. MVP wird erneut Kevin Durant.

Das Popcorn steht bereit. Es kann losgehen …

Der Autor:
Dean Walle ist Basketball-Journalist in den USA und schreibt direkt aus den Staaten für BASKET. Mit spitzer Feder und sportlichem Sachverstand nimmt er die Geschehnisse der besten Basketball-Liga der Welt in seiner neuen BASKET-Kolumne unter die Lupe.

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