BASKET

Lamar Odom: Totgesagte leben länger

Nach seinem Abschied vom Basketball schlitterte Lamar Odom in eine gefährliche Alkohol- und Drogensucht. Dass der Forward, der mit den Lakers einst den „Repeat“ feierte, nach einem Absturz in einem Bordell noch lebt, gleicht einem Wunder.

Am 22. Juni begann in ­Detroit die dritte Saison der von Rapper Ice Cube gegründeten BIG3. In der Oldie-Liga, die zahlreiche ehemaligen NBA-Stars beheimatet, sorgte bei der Vorstellung der Neulinge zuletzt ein Name für besondere Aufmerksamkeit: Lamar Odom, seines Zeichens zweifacher NBA-Champion und NBA-„Sixth Man of the Year“ von 2011, geht an den Start.
Bei solch einem Resümee sollte man meinen, dass die Altherren-Liga für den 2,08 Meter großen und über 100 Kilogramm schweren Ex-Profi ein Klacks sei. Doch stattdessen gleicht die Tatsache, dass Odom überhaupt noch ein Mal auf einem Basketball-Court steht, einem wahren Wunder. Nicht einmal vier Jahre ist es her, dass die Ärzte alle Hoffnungen verloren, seine Familie bereits ­Abschied von ihm nahm und auch ehemalige Weggefährten nicht mehr an das Überleben des einstigen NBA-Champs glaubten. Doch der Reihe nach.

Odom
Lamar Odom gewann an der Seite von Kobe Bryant bei den Lakers zwei Meisterschaften (Foto: Getty Images).

In der NBA spielt der Forward letztmalig in der Saison 2012/13 für die Clippers. Völlig außer Form – als Schatten seiner selbst! Es folgt ein letztes Engagement. Und zwar in Spanien für Saski Baskonia. Doch nach gerade einmal zwei Spielen ist wieder Schluss. Die Vereinsärzte raten ihm dringend, aufgrund seiner angeschlagenen gesundheitlichen Verfassung, nicht mehr aufzulaufen.

Anfang vom Ende

Der heftige Abstieg beginnt am 11. Dezember 2011, als die ­Lakers nach sieben Jahren den Vertrag mit Odom auflösen, und ihn zu den Dallas Mavericks traden. Zu diesem Zeitpunkt ist Lamar auf dem Höhepunkt seines Könnens. Superstar Kobe Bryant bescheinigt ihm damals seine stabilste und beste Saison, wie auch die „Sixth Man of the Year“-Trophy belegt. Der schnell abgewickelte Trade stürzt Lamar in eine tiefe Depression. Eine Krankheit, die ihn auf Jahre begleiten soll.
Im Dallas-Team findet Odom nie wirklich seinen Platz, wird zwischenzeitlich sogar in die D-League geschickt. Nach nur einer Saison endet seine enttäuschende Zeit in Texas schließlich abrupt, worüber weder der Star noch die Mavs wirklich traurig sind. Vielmehr herrscht beidseitig Erleichterung.

Bei seiner Verpflichtung hatte noch die Zuversicht überwogen. Und auch Dallas-Star Dirk ­Nowitzki äußerte sich im Vorfeld positiv über seinen neuen Mitspieler: „Ich war immer schon ein Fan seiner Spielweise und denke, dass er ein wahres Allround-Talent ist. Er ist sehr agil und es macht echt Spaß, ihm zuzuschauen.“ Von dieser Vorfreude ist nach der Regular Season absolut nichts mehr übrig, am wenigsten bei Odom selbst.

Auch langjährige Freunde wie etwa sein persönlicher Assistent Anthony „Mac“ McNair nehmen zunehmend wahr, wie sich die Persönlichkeit des Stars verändert: Odom wird stiller und ­zurückgezogener. Auch abseits des Courts beginnt nun eine schwere Zeit für den Forward. Zuerst steigt er im Sommer 2011 aus der Reality-Soap „Khloé & Lamar“ aus, die ihn an der Seite seiner damaligen Ehefrau Khloé Kardashian zeigt. Die Dreharbeiten erschöpfen den NBA-Held zu sehr und lenken ihn ab. Dann wird Odom am 30. August 2013 in Los Angeles von der Polizei angehalten und wegen Fahrens unter ­Alkoholeinfluss festgenommen.

Dies sorgt für erste besorgte Tweets und Kommentare ehemaliger Mitspieler. Doch es kommt noch viel schlimmer: Im Dezember des Jahres wird er schließlich für sein Vergehen zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt und muss eine dreimonatige Alkoholtherapie beginnen. Im selben Monat reicht seine Frau Khloé die Scheidung ein.

Autor: Moritz H. Walter

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