Im großen BASKET-Interview sprechen die RTL-Experten über Deutschlands Titelchancen, Schröders neue Rolle, den Einfluss von Coach Mumbru – und warum bei der EM 2025 jedes Spiel ein Endspiel ist.

Deutschlands Basketball-Fans fiebern der EuroBasket 2025 entgegen – und mit ihnen zwei, die es wissen müssen: Patrick Femerling und Denis Wucherer. Als RTL-Experten begleiten sie das DBB-Team hautnah und werden beim Auftaktspiel gegen Montenegro (15:30 Uhr, RTL) zum ersten Mal im Einsatz sein. Im exklusiven BASKET-Interview blicken die Ex-Nationalspieler zurück, voraus – und ganz tief ins deutsche Nationalteam.
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BASKET: Schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Die EM steht vor der Tür. Ihr beiden seid als Experten und Co-Kommentatoren am Start. Worauf freut ihr euch am meisten?
Patrick Femerling: Ich freue mich auf eine offene und erfolgreiche EM unserer Mannschaft. Ich glaube, die Voraussetzungen sind gut – sofern alle gesund sind. Mo (Wagner, Anm. d. Red.) und Niels (Giffey, Anm. d. Red.) sind ja beispielsweise raus. Trotzdem freue ich mich über die Chance auf eine Medaille.
Denis Wucherer: Ich glaube, diese Generation gehört bei jedem Turnier zum Favoritenkreis. Bei der letzten EM Dritter, davor Weltmeister und bei Olympia knapp an einer Medaille vorbei. Insofern gibt es auch in den nächsten Jahren Grund zur Vorfreude auf große Turniere.
„Der Weg zum Titel geht über die deutsche Mannschaft.” – Denis Wucherer
In den letzten 20 Jahren hat sich eine Menge getan. Wir kennen auch noch ganz andere Zeiten. Wir freuen uns auf ein deutsches Team, das lange im Turnier ist und hoffentlich noch einen auf die Bronzemedaille von vor drei Jahren draufsetzt.
Patrick Femerling ist mit 221 Länderspielen Rekordnationalspieler des deutschen Basketballs und gewann mit der Nationalmannschaft WM-Bronze 2002 sowie EM-Silber 2005. Auf Vereinsebene wurde er unter anderem mit dem FC Barcelona EuroLeague-Sieger und feierte Meistertitel in Deutschland, Spanien und Griechenland. Nach seiner aktiven Laufbahn engagiert er sich als Trainer für die Nachwuchsförderung und als Co-Trainer der Nationalmannschaft. Zudem startete er als Basketball-Experte und Kommentator für mehrere Sender durch. An der Seite von Frank Buschmann begleitete er für RTL bereits die Basketball-Europameisterschaft 2022 am Mikrofon.


Denis Wucherer absolvierte 123 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft und gewann 2005 EM-Silber. Auf Vereinsebene wurde er als Spieler mehrmals Deutscher Meister, feierte mehrere Pokalsiege sowie einen Meistertitel in Belgien. Nach seiner aktiven Spielerkarriere arbeitete er als Trainer bei verschiedenen Teams im deutschen Profibasketball. Parallel dazu war er als Basketball-Experte und TV-Kommentator für MagentaSport bei der Basketball-EM 2022 aktiv. Für RTL ist Wucherer bei der EuroBasket 2025 erstmals als Experte im Einsatz.
BASKET: Wie ist eure Einschätzung? Vor zwei Jahren der WM-Titel, letztes Jahr der vierte Platz bei den Olympischen Spielen in Paris. Welchen Stellenwert hat diese EM beim Team?
Wucherer: Erfahrungsgemäß ist so eine Europameisterschaft ein härteres Stück Arbeit als vielleicht eine Weltmeisterschaft, weil die Leistungsdichte im Turnier noch höher ist. Du hast weniger Exoten dabei. Außerdem musst wirklich bei jedem Spiel abliefern, um die Gruppenphase vernünftig zu überstehen und anschließend eine gute Ausgangssituation zu haben, wenn es in die Do-or-Die-Spiele geht.
Es kann wirklich alles passieren, weil du wahrscheinlich sechs bis acht Teams hast, die um den Titel mitspielen wollen und die auch die Qualität haben, den Deutschen wehzutun. Sind wir von der Tiefe des Kaders her nur schwer zu bezwingen? Ja, daran glaube ich. Aber das musst du dann auch auf den Punkt bringen und eventuell mal die Slowenen mit Doncic in einem Achtelfinale oder die Griechen mit Antetokounmpo in einem Viertelfinale schlagen.
Femerling: Von der Motivation ist das gar keine Frage. Dass sieht man ja daran, dass Dennis (Schröder, Anm. d. Red.) sofort zugesagt hat und Franz (Wagner, Anm. d. Red.) auch dabei ist. Du hast eine gute Generation von Spielern, die alle wollen. Die grundsätzlichen Weichen sind also gestellt.
„Es ist besonders, dass man in der Halle sein kann, dass man die Stimmung spürt, das Quietschen der Schuhe hört und die Leute sieht.” – Patrick Femerling
BASKET: Als bekannte Gesichter transportiert ihr den Basketball jetzt in einer neuen Rolle nach außen. Wie nehmt ihr das Interesse am Basketball in Deutschland wahr?
Wucherer: Erstmal ist es gut, dass RTL von Anfang an dabei ist und das Turnier zusammen mit Magenta überträgt. Vor drei Jahren ist RTL kurzfristig zum Viertelfinale eingesprungen. Ich glaube, das zeigt, dass der Basketball auch in der Berichterstattung auf dem richtigen Weg ist. Ich denke, das wird ein großes Highlight.
Femerling: Es ist eben auch besonders, dass man in der Halle sein kann, dass man die Stimmung spürt, das Quietschen der Schuhe hört und die Leute sieht. Und natürlich hoffen wir, dass wir da auch einen guten Job machen.
BASKET: Patrick, du hast 2022 auch schon mal mit Buschi zusammengearbeitet, worauf freust du dich dabei am meisten?

Wir haben vorab auch mit Kultkommentator Frank Buschmann gesprochen.
Das vollständige Interview mit ihm findet ihr in der BASKET 09-10.
Femerling: Buschi ist ein echter Profi und Basketball-Romantiker ist, der den Sport einfach liebt und das schon ewig macht. Das haben die Jüngeren vielleicht schon vergessen, dass er ein Veteran auf dem Gebiet ist. Natürlich hat er seinen eigenen Stil, aber wir kennen uns schon lange und ich habe es immer gemocht, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er hat sehr viel Energie und sehr viel Vehemenz – das gehört einfach dazu.
„Wenn Jokic und Bogdanovic dabei sind, ist es sofort eine andere Mannschaft. Letztes Jahr Bronze bei Olympia war ein Riesenerfolg. Das war ein Fest denen zuzuschauen und ich glaube, die haben noch Bock auf mehr. ” – Patrick Femerling
BASKET: Wenn wir jetzt mal auf die Gruppen blicken: Gruppe A mit Estland, Lettland, Portugal, Serbien, Tschechien und der Türkei. Wer ist euer Favorit?
Femerling: Die Serben. Wenn Jokic und Bogdanovic dabei sind, ist es sofort eine andere Mannschaft. Letztes Jahr Bronze bei Olympia war ein Riesenerfolg. Das war ein Fest denen zuzuschauen und ich glaube, die haben noch Bock auf mehr. Die Türken sind aufgrund er guten Jugendarbeit immer eine spannende Mannschaft. Da ist man manchmal schon fast ein bisschen überrascht, dass sie am Ende nicht so erfolgreich spielen, wie es das Talent auf dem Papier vermuten lässt. Lettland wird unangenehm, die spielen ihren eigenen Ball. Mit den Bertans-Brüdern haben die eine Mannschaft, die immer unangenehm zu bespielen ist.
Wucherer: Und Lettland hat die letzten großen Turniere gut gespielt. Sehr gut gecoacht. Die haben auch so ähnlich wie Litauen dieses Basketball-Gen – dieses kleine Land, das aber total basketball-verrückt ist und zuletzt wirklich gut spielt. Deswegen ist Lettland auch als Gastgeber hoch einzuschätzen.
BASKET: Lassen wir die deutsche Gruppe zunächst außen vor und schauen auf Gruppe C: Bosnien, Georgien, Griechenland, Italien, Spanien und Zypern. Wie ist da eure Meinung?
Femerling: Spanien mit Headcoach Scariolo wird schon tuff sein. Das ist, glaube ich, das letzte Turnier, dass er als Trainer macht. Auch wenn das nominell vielleicht nicht mehr die Stars sind wie früher, ist es einfach eine Mannschaft, die gut Basketball spielen kann – vor allem, wenn sie in den Flow kommt.
Wucherer: Italien kommt natürlich über die Emotionen, über einen verrückten Coach. Und im Regelfall haben sie eine Tendenz zu overperformen. Bei Griechenland ist immer die Frage, inwieweit die Nummer Antetokounmpo funktioniert. Bisher hatte ich das Gefühl, dass sie noch nicht den richtigen Mix gefunden haben, wie man diese unfassbare Maschine in das Talent der restlichen Mannschaft, die aus gestandenen EuroLeague-Spieler besteht, einbindet. Was Giannis körperlich mitbringt ist einfach eine andere Welt. Und da hat man irgendwie noch nicht verstanden, wie man das zusammenbekommt.
Femerling: Was bei denen manchmal fehlte, war das Shooting. Das konstante Shooting, das du brauchst, wenn du mit Giannis spielst, weil er einfach unfassbar im Fastbreak ist. Da kannst du ihn nicht stoppen. Der ist im Low-Post stark, in der Defense auch. Wenn aber die Schützen fehlen, wird das Feld sehr klein.

BASKET: In Gruppe D haben wir die Franzosen, die Slowenen, Belgien, Island, Israel und Polen …
Wucherer: Wie in jeder Gruppe hast du drei Teams, die ein bisschen herausstechen. Hier sind es wahrscheinlich Frankreich, Slowenien und vielleicht Israel.
Femerling: Israel wird man sehen. Mit Deni Avdija hast du jemanden, der unfassbar performt hat in der NBA bei Portland. Ich glaube, der kennt auch den europäischen Basketball, der ist Europameister geworden mit der U20. Das ist jemand, der so eine Mannschaft anführen kann. Israel spielt aber immer ein bisschen anders – switchen zwischen Zone und Mann. Ich glaube die wissen manchmal selbst nicht was sie machen, machen das aber trotzdem irgendwie gut. Bei Frankreich bin ich gespannt, wie sie sich ohne Wembanyama schlagen. Ich glaube, das kann manchmal ein Vorteil sein, dass mehr Bälle für andere Spieler da sind. Auf Doncic und Slowenien freue ich mich richtig, da Luka etwas mehr Breite und Qualität um sich hat, als in den vergangen Jahren.
BASKET Generell: Wie ist das, mit einem NBA-Star à la Doncic oder Wembanyama im Kader? Wie sehr hängt das Team davon ab?
Femerling: Man muss seine Rollen kennen, man darf nicht unterperformen, nur weil ein guter Spieler da ist. Man kann nicht sagen: ’Okay, er macht alles und ich lehn mich zurück.‘ Und es ist positionsabhängig. Also, wenn du Doncic hast – der hat den Ball und wird eine Entscheidung treffen. Ich glaube, die mögen Doncic alle in der Mannschaft das hat in den letzten Jahren sehr homogen gewirkt – der ist integriert.
Wucherer: Ich glaube auch, dass Doncic im Herzen ein FIBA-Spieler ist, der durch seine Zeit bei Real Madrid einfach den europäischen Basketball versteht und liebt und weiß, wofür er steht und was es braucht. Er war schon Europameister mit Slowenien und trotzdem geht er immer wieder für sein Heimatland an den Start. Auch dann, wenn die Unterstützung im slowenischen Team auch mal eher überschaubar ist und die Chancen nicht die besten sind.
BASKET: Dann kommen wir jetzt zur deutschen Gruppe: Finnland, Großbritannien, Litauen, Montenegro und Schweden. Wer sind die stärksten Konkurrenten?
Femerling: Litauen ist immer eine unangenehme Mannschaft. Ich glaube, wir haben keine positive Bilanz, auch wenn wir vor zwei, drei Jahren gegen die gewonnen haben. Das ist eine Mannschaft, die immer der es gar nicht schlecht tut, ohne NBA-Stars auf den großen Positionen aufzulaufen – nur Valanciunas ist da. Das wird nicht einfach, vor allem, weil die Halle voll sein wird mit litauischen Fans. Und die anderen sind Finnland. Die haben einen guten Coach, der gut ausbildet, Lauri Markkanen natürlich als Superstar, der alles macht. Normalerweise eine sehr gut vorbereitete Truppe, die auch zu Hause spielen und die sich was ausrechnen dürfen.
RTL überträgt alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft live im Free-TV. Hier sind die Vorrundenspiele im Überblick.
| Datum | Begegnung | Uhrzeit |
|---|---|---|
| 27.08.2025 | Montenegro – Deutschland | 15:30 Uhr |
| 29.08.2025 | Deutschland – Schweden | 12:30 Uhr |
| 30.08.2025 | Litauen – Deutschland | 12:30 Uhr |
| 01.09.2025 | Deutschland – Großbritannien | 15:30 Uhr |
| 03.09.2025 | Finnland – Deutschland | 19:30 Uhr |
Wucherer: Mit Deutschland sind das die “drei Großen” der Gruppe. Die anderen drei sind auf dem Papier nicht die großen Namen. Aber gerade Montenegro ist eine Mannschaft, die eklig sein kann, die groß und physisch ist. Die wir aber kennen aufgrund von Qualifikationsspielen in den letzten Jahren. Schweden und Großbritannien sind die Aussenseiter. Die Schlüsselspiele für eine gute Situation in der Do-or-Die-Nummer im Achtelfinale sind ganz klar Finnland und Litauen.
BASKET: Was sagt ihr zum deutschen Team? Die größte Veränderung ist natürlich der Trainer-Wechsel. Wie seht ihr die bisherige Entwicklung unter Alex Mumbru?
Wucherer: Ich glaube, es wird spannend sein, zu sehen, was Alex Mumbru einem funktionierendem Team mitgeben will. Man würde ihm ja raten, verändere nicht viel – die funktionieren. Andererseits sind Moritz und Nils nicht dabei. Er wird natürlich versuchen, der Mannschaft einen Impuls mitzugeben, z.B. muss Tristan da Silvas großes Potential ins Teamgefüge eingebunden werden. Es hat eine Zeit lang gedauert für Dennis Schröder, die Rolle des Anführers zu finden und in dieser Rolle von allen akzeptiert zu werden. Da muss man gucken, wie sich die Beziehung zum neuen Coach entwickelt. Ich bin mir sicher, dass die beiden einen Weg finden werden erfolgreich zu sein.
„Moritz als emotionaler Leader und Niels mit seiner Erfahrung fehlen. Das sind Dinge, die das Team auffangen muss, da hilft dir kein Coach.” – Denis Wucherer
BASKET: Und glaubt ihr auch, dass die relativ kurze Zeit mit dem Team ausreicht?
Wucherer: Das Team funktioniert ja und bleibt mehr als nur im Kern unverändert. Die wissen genau, wie die Rollen verteilt sind, auf wen es ankommt und wer die Spiele gewinnt, wenn es eng wird. Die Bedeutung der Erfolge der letzten Jahre für das Team sind nicht hoch genug einzuschätzen, ebenso die Erfahrungen aus schmerzhaften Niederlagen in zwei Halbfinalen gegen Spanien und Frankreich. Moritz als emotionaler Leader und Niels mit seiner Erfahrung fehlen. Das sind Dinge, die das Team auffangen muss, da hilft dir kein Coach.
Femerling: Vielleicht ein, zwei neue Impulse und dann reicht das ja schon für so eine Mannschaft.
BASKET: Denis, du hast Dennis Schröder angesprochen, der jahrelang in Deutschland irgendwie missverstanden wurde. Hast du das Gefühl, er ist mittlerweile – auch durch den WM-Triumph – im deutschen Basketball angekommen?
Wucherer: Natürlich, die Erfolge der letzten Jahre haben auch dafür gesorgt, dass sein Standing davon profitiert hat.

Er füllt die Rolle des Leaders mittlerweile überragend aus und wird von seinen Mitspielern respektiert sowie akzeptiert. Durch ganz starke Leistungen untermauert und unterfüttert er dieses Standing im Team immer weiter. Er ist derjenige, der zusammen mit Franz – eben dann, wenn Plan A nicht ausreicht, um das Spiel zu gewinnen – übernehmen kann und eine Partie nach Hause bringt. Das hat er oft genug erfolgreich gemacht.
In der NBA ist er jetzt bei der zehnten Mannschaft angekommen. Und wer weiß, ob sich das für ihn noch einmal verändern wird oder ob er erstmal eine interessante Tradingmasse bleibt, weil er einfach ein tolles Skillset hat und jeder Mannschaft kurzfristig weiterhilfen kann. Deshalb denke ich, ist seine klare Rolle als unangefochtener Chef bei der Nationalmannschaft eine wunderbare für ihn.
Interview: Alexander Dierke
Fotocredits: Foto: RTL / Lena-Luise Grellert, RTL/Anne Werner, IMAGO/camera4+, IMAGO/ Xinhua
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