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BASKET

Das Trade-Beben im Überblick

James Harden hat genug in Brooklyn. Für den Superstar ist es der zweite erzwungene Teamwechsel innerhalb zwei Saisons. (Foto: Getty Images/Rich Schultz)

Was für eine grandiose Trading Deadline! Wie ihr auch auf unserem Insta-Account sehen könnt, ist es zu dieser Trading-Deadline so heiß hergegangen wie selten zuvor und Woj alias Adrian Wojnarowski, seines Zeichens Starjournalist in Diensten von ESPN, hat wieder mal einige seiner berühmten Bomben platzen lassen. BASKET zeigt euch die wichtigsten Trades und ordnet die Folgen ein!

Das Ende der Saga

Die Brooklyn Nets traden James Harden und Paul Millsap zu den Philadelphia 76ers für Ben Simmons, Seth Curry, Andre Drummond und zwei First Round Picks

Es ist doch tatsächlich passiert! Die Odyssee um Ben Simmons hat nun endlich ihren Höhepunkt gefunden und gleich vor weg: GM Daryl Morey von den 76ers hat einen super Job gemacht! Sein langes Warten hat sich am Ende ausgezahlt und er hat den geforderten Superstar für seinen streikenden Profi bekommen, aller Achtung. Auf dem Papier geben die 76ers eine Menge Holz ab, doch blickt man auf die Starting Five, tauschen die Blauen aus dem Osten Seth Curry für James Harden eins zu eins. Schon ohne den bärtigen Superstar haben die Mannen um Joel Embiid grandios aufgespielt und erhalten nun, durch den zweiten Top-15 Spieler in ihrem Reihen, den alles entscheidenden Booster im Titelrennen.

Viel hängt natürlich davon ab, ob James Harden seine Normalform wiederfindet und wie er mit Embiid auf dem Feld harmoniert, doch alles in allem ist der Tausch, auch für die Nets, ein gelungener. Die verlieren zwar einen ihrer großen Drei, doch zum Schluss endet deren kurze, nur 16 Spiele lange, Regentschaft aufgrund von ständiger Inkonstanz, Unruhe und Defensivschwäche zurecht. Letztendlich bekommen die New Yorker einen Spieler, der die Hauptproblemzone Defense entscheidend stärken wird und zumindest das Potential hat, eine „Big Three“ im Barclays Center fortbestehen zu lassen. Außerdem kommt mit Seth Curry einer der besten Shooter der Liga und mehr als geeigneter Joe Harris Ersatz. Die zwei First Rounder bringen, je nach Sichtweise, ein Stück Zukunft zurück nach Brooklyn oder Trade Kapital.

Kein Vertrauen in die Nummer Zwei

Die Dallas Mavericks traden Kristaps Porzingis und einen Second Round Pick zu den Washington Wizards für Spencer Dinwiddi und Davis Bertans

Das kam aus dem Nichts! Die Dallas Mavericks sehen in Kristaps Porzingis letztendlich nicht die erhoffte Nummer Zwei neben Luka Doncic und haben die Chance genutzt, den leider sehr verletzungsanfälligen Letten loszuwerden. Auf dem Papier wäre der Hüne als Co-Star, der nicht auf den Ball in seinen Händen angewiesen ist, eine tolle Lösung neben dem slowenischen Wunderkind gewesen, doch durch Verletzungen und zu hoher Unbeständigkeit verbleibt das Traumpaar nur in er Theorie.

Die Mavericks bekommen dafür ein großes Wagnis zurück. Dinwiddi hat, wie Bertans, eher in der Vergangenheit als in der Gegenwart überzeugen können, doch gerade der Lette Bertans sitzt für seine Leistungen auf einem, mit garantierten 60 Millionen Dollar, überproportionalen Vertrag. Diese Saison schießt er im Vergleich zu seinen 40% in der gesamten Karriere nur 31% seiner Dreier durch das Netz. Wenn er auf seine alten Zahlen kommt, ist Bertans eine echte, wenn auch immer noch teure Verstärkung.

Der große Aufreger

Die Kings traden Tyrese Haliburton, Budddy Hield und Tristan Thompson zu den Indiana Pacers für Domantas Sabonis, Jeremy Lamb und Justin Holiday

Eigentlich war Myles Turner eines der großen Themen in dieser Deadline, letztendlich musste aber sein Partner Sabonis im Zuge des Rebuilds weichen. Dafür bekommen die Pacers vielleicht jetzt schon das Herzstück ihres Wiederaufbaus aus Kalifornien und die Aufregung und das Unverständnis bezüglich des Handelns der Kings ist durchaus angebracht, wenn auch bei genauerem Hinsehen marginal überzogen.

Wie eigentlich bei jedem Trade stellt sich auch bei diesem die Frage nach dem Gewinner und dem Verlierer des Tausches und gleich zu Anfang: Ja, die Pacers haben gewonnen. Diese geben zwar einen All-Star ab, befinden sich aber im Rebuild und mussten sich bei der Konstellation um Turner und Sabonis zwangsläufig von einem Hochkaräter trennen. Der erhaltenen Gegenwert ist jedoch famos und dürfte selbst die eigenen Erwartungen übertreffen! Mit Haliburton kommt ein Spieler mit Franchise Leader Potential, dazu mit Buddy Hield einer der elitärsten Shooter der Liga, der entweder den eigenen Backcourt verstärken kann oder mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit in der Liga einen Abnehmer finden wird.

Betrachtet man den Trade rein leistungsbezogen, kommen die Kings besser weg, als es der allgemeine Tenor in den Kommentarspalten vermuten lässt, auch wenn ihr Verhalten in letzter Konsequenz Fragen aufwirft. Mit Sabonis erhalten die Kings einen, mit 25 Jahren, immer noch jungen Spieler, der sich als zweifacher All-Star schon bewiesen hat. Haliburton muss, auch wenn die Vorzeichen sehr günstig stehen, erst beweisen, dass er diesen Schritt gehen kann. Was den Fans letztendlich aufstößt ist der Weg, der mit diesem Tausch eingeschlagen wird, denn die Kings gehen in einen verfrühten, völlig unnötigen „Win now Modus“. Die Könige aus Kalifornien sind eines der richtungs- und identitätslosesten Teams der Liga und geben ausgerechnet den Spieler ab, der sich neben Topleistungen von Anfang an zur Organisation bekannt hat und symbolisch für die Zukunft der Lilanen stand. Auch wenn der Trade die Mannschaft aktuell sogar etwas besser machen dürfte, verscherbeln die Kings die Verkörperung ihrer Zukunft und Hoffnung auf Erfolg, nur um weiterhin orientierungslos in der Gegenwart herumzudümpeln. Die Pacers hingegen verfolgen einen klaren Plan und haben einen echten Coup gelandet.

Die nächste Zwischenstation für Schröder

Die Boston Celtics traden Dennis Schröder zu den Houston Rockets für Daniel Theis

Dennis Schröder wird Opfer der Luxussteuer und geht den Weg nach Housten. Dafür bekommen die Kelten im rein Deutschen Tausch ihren alten bekannten Daniel Theis zurück. Für Schröder wird Texas mit Sicherheit keine dauerhafte Bleibe. Er passt nicht in die Timeline der rebuildenden Raketen, bei denen schon John Wall die Bank wärmen muss. Ärgerlich für den Braunschweiger, der eine Bühne im seinem alles entscheidenden „Contract Year“ dringend braucht, um sich zu empfehlen. Auch Theis sportlicher Wert für Boston ist fraglich. Allerdings hat der ehemalige Bamberger einen sehr praktischen Vertrag für NBA Verhältnisse, sodass auch sein Sommer interessant werden dürfte. Änis Kanter Freedom war ebenfalls Teil des Tausches, wurde aber postwendend entlassen.

Die Pelicans wollen gewinnen! Aber wie?

Die Portland Trail Blazers traden CJ McCollum, Larry Nance Jr. und Tony Snell zu den New Orleans Pelicans für Josh Hart, Nickeil Alexander-Walker, Tomas Satoransky, Didi Louzada, einen First Round Pick und zwei Second Round Picks.

Die CJ und Dame Ära in Portland ist zu Ende und für viele kommt dieser Bruch, trotz aller Romantik, zu spät. Die Blazers wollen den Neuanfang wagen und Damian Lillard wohl behalten. Ob sie dies so auch umsetzten können, steht auf einem anderen Blatt, doch Stand jetzt geht es für die Organisation aus Oregon darum, Cap Space freizuschaufeln und daran arbeiten sie mit Hochdruck. Die bisherigen Bemühungen werfen jedoch eher Fragen auf, da Portland unterm Strich auch bei anderem Trades doch deutlich unter Wert abgegeben hat.

In New Orleans löst der trade ebenfalls eher Stirnrunzeln als Hype aus. Die Pelicans machen einen definitiven „Win now Trade“ und verpflichten mit McCollum den Ballhandler, den sie im Sommer mit Kyle Lowry vergeblich gesucht hatten. Doch die große Frage ist: Warum eigentlich? Die Situation um Zion Williamson, der sich ironischer Weise in Portland aufhält, ist weiterhin ungewiss. Ohne den Franchise Player ist ein Erfolg ausgeschlossen und es wäre wohl günstiger gewesen, bis zum Sommer abzuwarten. Gleichzeitig wollte man diesen durch den Tausch wohl zufriedenstellen. Es wirkt als wollten die Pelicans zum Angriff blasen ohne eigentlich zu wissen, mit wem und für was sie eigentlich kämpfen.

Ein wahnsinnig ereignisreicher Deadline-Day geht zu Ende. Nun wird sich zeigen, welche Teams vor dem Saisonendspurt klug gehandelt haben oder besser die Füße stillgehalten hätten. Vor allem die Situation um Philadelphia und Brooklyn hebt den Titelkampf auf ein neues Level!