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Gary Payton II – mit harter Arbeit zum Erfolg

Söhne von NBA-Legenden haben es in der besten Basketballliga der Welt immer besonders schwer. Haben sie doch mit hohen Erwartungen zu kämpfen, die mit ihrem Nachnamen verbunden sind. Gary Payton II, Sohn des ehemaligen Weltklasse-Verteidigers Gary Payton, ist jedoch dabei, sich 2021/22 selbst einen Namen zu machen. BASKET-Kolumnist C-BAS stellt den Warriors-Energizer einmal genauer vor!

Gary Payton II (l., Golden State Warriors) im Duell mit Ish Smith (Charlotte Hornets) im Chase Center San Francisco, am 3. November 2021. (Foto: Ezra Shaw/Getty Images)
Gary Payton II (l., Golden State Warriors) im Duell mit Ish Smith (Charlotte Hornets) im Chase Center San Francisco, am 3. November 2021. (Foto: Ezra Shaw/Getty Images)

Dass es in der NBA etliche Spieler gibt, bei denen die Zahlen im Boxscore nicht ansatzweise ihre Wertigkeit reflektieren, ist schon seit Jahren kein Geheimnis. Auch Gary Payton II ist so ein Spieler.­ Beim Blick auf seine Statistiken fällt der allgemeine Basketballfan nicht zwingend vom Hocker. 6,4 PPS sind zwar ein „Career High“, ebenso die 3,1 REB, die der Bankspieler der Golden State Warriors im Schnitt auflegt. Da diese Zahlen beim Sohn des einstigen „Defensive Player of the Year“, Gary Payton Senior, aber nicht einmal die halbe Wahrheit erzählen, lohnt der Blick auf die Geschichte des 29-Jährigen.

Vielversprechender Anfang im College

In seinen bisherigen NBA-Saisons, Payton II geht 2021/22 in seine sechste, hat „The Mitten“ („der Fäustling“, in Anlehnung an seinen Vater „The Glove“, der Handschuh) noch nicht den Impact gehabt, den wir heute beim besten Team der Western Conference bestaunen dürfen. Und das, obwohl er auf College-Ebene bereits früh für Aufsehen sorgt: Bei Oregon State, wo auch sein berühmter Vater zur Schule ging, legt er für die Beavers in seinem Senior-Year 16 Punkte, 7,7 Rebounds und 4,8 Assists sowie starke 2,8 Steals pro Spiel auf. Insgesamt führt Payton II die Pac- 12-Division zwei Jahre lang bei den Steals an, zeigt in Ansätzen die Defender-Gene, die seinen Vater zum bislang letzten Guard haben werden lassen, der den „DPOY“-Award gewinnen konnte.

Es folgt eine Odyssee durch die G-League

So meldet er sich 2016 zum NBA-Draft an, wo er jedoch trotz seines großen Namens nicht ausgewählt wird. Es folgt, wie bei so vielen späteren Profis, die vier Jahre am College gespielt haben, eine lange Odyssee über die Summer League, wo er einen Spot bei den Houston Rockets ergattert. Vor Start der Saison 2016/17 ist dort aber bereits wieder Schluss. In der Folge lernt der Guard die schönsten Plätze der G-League kennen: Die Rio Grande Valley Vipers, die South Bay Lakers oder die weltberühmten Capital City Go-Go gehören zu seinen Stationen.

Gary Payton II unterschreibt etliche „Ten-Day-Contracts“, steht bei den Bucks, Lakers und Wizards in der NBA im Roster. Dennoch macht er in seinen ersten fünf Profijahren insgesamt nur 95 Spiele in der besten Basketballliga der Welt. Als die NBA G-League im Januar 2021 dann ihren ersten offiziellen Draft veranstaltet, zieht es Payton II wieder in die „Farmliga“ der Association zurück. Dort wählen ihn die Raptors mit dem 15. Pick aus. Anschließend spielt er eine ordentliche, wenn auch durch die Corona-Pandemie verkürzte Saison, wird auch hier zum „Defensive Player of the Year“ gewählt.

Contract bei den Golden State Warriors

Das zieht die Aufmerksamkeit der Warriors auf sich, die ihn nach zwei „Ten-Day-Contracts“ und einer zwischenzeitlichen Entlassung am 19. Oktober 2021 fest unter Vertrag nehmen. So weit, so gut. Dass der immerhin nun auch schon 29-Jährige jedoch gleich zur festen Rotation beim Top-Team im Westen gehört, dürfte wohl nicht einmal er selbst zwingend erwartet haben. Dennoch steht „GPII“ im Schnitt rund 14 Minuten pro Partie auf dem Parkett – und lässt in diesem Zeitraum wirklich alles auf dem Court. Was auch seine eingangs erwähnten, zugegebenermaßen mäßigen Statistiken nicht weiter beachtenswert macht. Vielmehr lohnt ein Blick auf das, was Payton Junior seinem Team gibt, wenn er auf dem Hardwood steht. Er hilft den „Dubs“ mit Athletik und Defense. Dass diese Attribute zu seinen Stärken gehören, war bekannt. Dennoch hat er erst jetzt im Warriors-System seine perfekte Rolle gefunden.

Gestiegene Wertschätzung für Payton II bei den Warriors

Seine Position lässt sich gar nicht richtig definieren. Er bringt vertikales Spacing und gibt Golden State einen athletischen Finisher, der viele Cuts läuft und durch seine Bewegungen abseits des Balles für seine Star-Teammates jederzeit anspielbar ist. Das belegen auch die Zahlen: 85 Prozent seiner Abschlüsse geht ein Assist voraus, knapp 25 Prozent dieser Abschlüsse sind Dunks. Damit liegt er ligaweit auf Platz 17, vor und nach ihm tauchen fast ausschließlich Center in diesem Ranking auf. Die Qualitäten Paytons sorgen sogar dafür, dass die Warriors mittlerweile häufiger Plays für ihn laufen, die oftmals in einem Alley Oop-Anspiel von Draymond Green auf den Energizer enden. Die Folge ist das individuell höchste Net-Rating aller Spieler in der NBA.

„Ich bin ein In-Game-Dunker“

Gary Payton II

Seine defensiven Ausnahmefähigkeiten werden zumindest beim Blick auf die „Steals per 100 Possessions“-Statistik deutlich, wo er die Liga ebenfalls anführt. Dass die Warriors aktuell die beste Defense der Liga stellen, ist also durchaus kein Zufall. Paytons Erfolg ist auch Produkt seiner Arbeitseinstellung. Im vergangenen Sommer mietete er sich, statt nach Hause zu fliegen, ein Airbnb in der Nähe des Chase Centers, der Heimstätte der „Dubs“. „Ich bin hier geblieben, um jedem zu zeigen, dass ich ‚all in‘ bin“, erklärt er.

Eine spannende Frage noch: Sehen wir den spektakulären Athleten vielleicht bald im Dunk Contest? Er selbst sagt: „Ich habe nicht so viele Tricks, ich bin ein In- Game-Dunker. Das ist es, was ich mache.“ Und das beschreibt Gary Payton II doch eigentlich ziemlich perfekt.

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