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BASKET

Die Raptors in der Krise

Mit der deutlichen Niederlage (114:126) gegen ersatzgeschwächte Boston Celtics haben die Toronto Raptors einen miserablen Saisonstart besiegelt. Mit einer Bilanz von 1:5 steckt der Meister von 2019 in der Krise. Bei allen fünf Niederlagen gaben die Raptors eine zweistellige Führung her und zeigten sich besonders offensiv inkonstant. Die Gründe dafür sind vielseitig.

Pascal Siakam

Können sich die Raptors erholen und erneut Contender im Osten werden?
Foto: gettyimages

Die Raptors bewegen sich aktuell auf unbekanntem Terrain. Nicht nur, dass die Kanadier aufgrund von Covid-19 ihre Spielstätte temporär nach Tampa verlegen mussten, auch ungewohnt schwache Leistungen zum Saisonstart sind für Fans der Dinos Neuland. Schloss man die reguläre Saison in den letzten fünf Jahren mindester als dritter im Osten ab und sorgte 2019 mit der Meisterschaft für den Höhepunkt dieser Erfolgsserie, kriselt es nach den ersten Wochen der aktuellen Spielzeit an allen Ecken und Enden. „Wir müssen ein bisschen mutiger werden, ein bisschen tougher und ein bisschen ekliger“, forderte Kettenhund Kyle Lowry. „Und wir brauchen einen gewissen Swagger. Aktuell haben wir keinen Swagger. Wir haben gar nichts. Die Gegner sehen uns an und sagen sich: ‚Okay, wir fressen sie auf.‘ Das ist kein gutes Gefühl.“

„We the north“

Die Bilder nach dem Sieg über die Golden State Warriors in Spiel 6 der Finals 2019, als eine ganze Stadt kopfstand und den ersten Titel für ein kanadisches Team ekstatisch feierte, sind wohl jedem NBA-Fan noch im Gedächtnis. Und schon in der Saison 2017/18 unterstützten die Fans ihre Raptors so leidenschaftlich, dass sie mit 34 gewonnen Partien die meisten Heimsiege der gesamten Liga einfuhren. In der aktuellen Spielzeit muss das Team von Coach Nick Nurse aufgrund der Corona-Pandemie jedoch auf die gewohnte Heimkulisse verzichten und stattdessen in Tampa, Florida spielen. Eine Maßnahme, die den Raptoren regelrecht eine Saison ohne Heimspiele beschert. In der Partie gegen die Boston Celtics in der Nacht auf Dienstag durften 3.740 Zuschauer in die Amalie Arena in Tampa. Statt das „Hometeam“ zu unterstützen, schalten vereinzelte Buhrufe für Toronto, Jubel für die Starting Five der Celtics und „We want Tacko“-Sprechchöre durch die Halle. Obwohl die Starting-Guards Kemba Walker und Marcus Smart verletzungsbedingt fehlten, entschieden die Celtics die Partie in einem Blowout für sich.

Offensive Durststrecke

Toronto zeigt jedoch spielerisch zu große Defizite, um allein den Zwangs-Umzug für den verpatzten Saisonstart verantwortlich zu machen. Besonders am offensiven Ende schwächeln die Raptors. Mit 41,2 Prozent haben sie die schlechteste Feldwurfquote der Liga vorzuweisen. Führungsspieler Pascal Siakam konnte die Offseason anscheinend nicht nutzen, um sein Formtief aus der Bubble loszuwerden. Der Forward müht sich weiterhin ab, seinen Rhythmus zu finden. Der Kameruner versenkt nur 40,7 seiner Würfe und kommt auf gerade einmal 3,2 Abschlüsse in der Restricted Area. Zum Vergleich, in der Vorsaison waren es fast doppelt so viele (6,3). Zudem hat der Weggang von Serge Ibaka und Marc Gasol eine klaffende Lücke im Frontcourt hinterlassen. Neuverpflichtung Aaron Baynes fiel es in den ersten Wochen als Raptor schwer, einen entsprechenden Ersatz darzustellen. In der Partie gegen Boston verfehlte der Neuseeländer alle seiner fünf Würfe, musste in der zweiten Halbzeit auf der Bank Platz nehmen und Nurse gab Alex Len für den weiteren Verlauf des Spiels den Vorzug. Allein Fred Van Fleet setzte sich gegen die Celtics zur Wehr. Der Point Guard führte sein Team mit 35 Punkten an, war im Anschluss trotzdem sichtlich enttäuscht. „Das ist wahrscheinlich für die meisten von uns Neuland“, kommentierte der Scharfschütze die Pleitenserie. „Aber wir können die Köpfe nicht hängen lassen. Keiner hat Mitleid mit uns […]. Es gibt ein Batzen Probleme und wir müssen Wege finden, diese zu lösen.“