BASKET

Die große Euroleague-Prognose

18 Teams aus zehn Ländern verfolgen nur ein Ziel: den europäischen Basketball-Thron zu erklimmen! Der elitärste europäische Basketball-Wettbewerb von allen ist nun in vollem Gange.
Den Höhepunkt dieser Spielzeit stellt zweifelsohne das „Euroleague Final Four“ dar, das 2020 in der Kölner „Lanxess Arena“ ausgetragen wird.

BASKET präsentiert euch alle Teams:

Die NBA hat einen turbulenten Sommer hinter sich: Anthony Davis, Russell Westbrook Kyrie Irving, Kevin Durant Kawhi Leonard, Anthony Davis und Paul George… Sie alle wechselten das Team.

Ein Deal, der in den USA fast unterging, in Europa aber besonders hohe Wellen schlug, war der Wechsel von Nikola Mirotic zum FC Barcelona. Nachdem der 2,09 Meter große Spanier mit den montenegrinischen Wurzeln zuvor mit einigen NBA Teams (Utah Jazz, Dallas Mavericks) in Verbindung gebracht wurde, entschied er sich für einen Wechsel auf den alten Kontinent. Kurz darauf schloss sich auch der Ex-Thunder Alex Abrines den Katalanen an.

Mit seinem Wechsel hat Mirotic einen Trend ausgelöst: Neben dem Olympia-Bronze-Medallien-Gewinner wechselten weitere namenhafte ehemalige NBA-Spieler, wie Omri Casspi, Greg Monroe und Timofey Mozgov und sind somit dieses Jahr in der europäischen Basketball-Beletage vertreten.

Die Favoriten

Nach den Favoriten für die kommende Spielzeit muss man nicht lange suchen. Diese Rolle haben die „Euroleague Final Four“-Dauerbrenner ZSKA Moskau, Fenerbahce Istanbul und Real Madrid inne.

Allen voran ZSKA Moskau wird alles daran setzen, seinen Titel zu verteidigen. Dies wird aber kein leichtes Unterfangen. So müssen die Moskauer Korbjäger den schmerzlichen Abgang von Nando de Colo, Star-Guard und Euroleague-MVP aus dem Jahre 2016, verkraften. Nach seinem Abgang soll der letztjährige Euroleague-Top-Scorer Mike James die Lücke füllen. Ergänzt wird der Backcourt durch den Ex-Bamberger und Dreier-Spezialisten Janis Strelnieks. Der Frontcourt der Mannen von Coach Dimitris Itoudis sollte aber ebenfalls nicht unterschätzt werden. So spielt ab dieser Saison mit Nationalspieler Johannes Voigtmann – der gegen die Münchner Bayern prompt ein Double-Double auflegte – ein bekanntes Gesicht in der russischen Hauptstadt. Ein weiterer Coup ist den Moskauern zudem mit der Verpflichtung des früheren Sacramento-Spielers Kosta Koufus gelungen, der zum ersten Mal in Europas-Spitzenliga auflaufen wird.

Johannes Voigtmann spielt nun in Russland für ZSKA Moskau (Foto: Getty Images).

ZSKAs Dauerrivale und Finalgegner aus dem Jahr 2016, Fenerbahce geht ebenfalls zuversichtlich in die neue Saison. So mussten die Mannen vom Bosporus zwar die Abgänge von Ex-Bamberger Nicolo Melli (New Orleans Pelicans) und Sharpshooter Marko Guduric (Memphis Grizzlies) verschmerzen, mit dem ehemaligen 2. Pick aus dem 2011er NBA-Draft, Derrick Williams, und dem französischen Nationalspieler Nando de Colo wurde aber adäquater Ersatz gefunden.

Nachdem Real Madrid, angeführt von Luka Doncic, 2018 die Euroleague gewinnen konnte, sehnen sich die Königlichen nach einem weiteren Titel. Der Kader aus der letzten Spielzeit konnte weitgehend zusammengehalten werden. Mit Nicolas Laprovittola, MVP der spanischen ACB-Liga und Salah Mejri, Ex-Center der Dallas Mavericks, konnten zudem zwei Hochkaräter für ein Engagement am Standort Madrid begeistern werden. Einer weiteren „Final Four“-Teilnahme scheint also nichts im Wege zu stehen.

Diesem Favoritenkreis gehören in dieser Saison auch der FC Barcelona und Anadolu Efes an.

Nicht nur die Verpflichtungen von Nikola Mirotic und Alex Abrines machen Barcelona zu einem ernstzunehmenden Titelfavoriten. Auch die Neuzugänge rund um Corey Higgins, Patenkind von Michael Jordan, und „All-Euroleague First Team“- Selection Brandon Davies tragen ihren Teil dazu bei, dass Barcelona einer der heißesten Anwärter auf den Thron ist.

Nikola Mirotic unterschrieb den dicksten Vertrag in der Geschichte des europäischen Basketballs (Foto: Getty Images).

Der Letzte im Bunde der Titelfavoriten ist Anadolu Efes. Die Mannschaft von BASKET-Kolumnist Tibor Pleiß ist heiß darauf, wieder ins „Final Four“ einzuziehen. Nach dem überraschenden Erreichen des Finales in der Vorsaison und einem nahezu unveränderten Kader stehen die Chancen gut. Angeführt von den Spielmachern Shane Larkin und Vasilije Micic ist den Mannen von Coach Engin Ataman dieser Sprung zuzutrauen.

Die Playoff-Aspiranten

Hinter den oben aufgeführten Mannschaften wird es eng im Kampf um die Playoffs. Ein Team, das sich nach der Postseason sehnt, ist Khimki Moskau. Die Mannschaft um Starspieler Alexey Shved konnte sich in diesem Sommer ebenfalls über prominente Neuzugänge freuen. So haben sich nicht nur die beiden Ex-Bayern Stefan Jovic und Devin Booker von einem Wechsel überzeugen lassen, auch der Heimkehrer Timofey Mozgov und Ex-Golden State-Forward Jonas Jerebko wollen mit ihrem neuen Klub durchstarten.

Alexey Shved (Foto: Getty Images).

Über geballte „Firepower“ und viele Dreier können sich die Fans von Panathinaikos Athen freuen. Mit dem ehemaligen College-Star und China-Legionär Jimmer Fredette betritt ein weiterer Ex-NBA-Spieler die größte europäische Bühne. Ihm anschließen wird sich dort Wesley Johnson. Der 4. Pick aus dem Jahre 2010 möchte die Griechen zurück zu alten glorreichen Zeiten führen. Unterstützt durch Star-Spielmacher und Ex-Memphis-Guard Nick Calathes scheinen zumindest die Playoffs ein realistisches Unterfangen zu sein.

Um die letzen Playoffplätze werden sich einige Teams streiten. Einer der heißesten Playoff-Anwärter ist in Mailand beheimatet. Nachdem letztes Jahr nur denkbar knapp die Playoffs verpasst wurden, haben die Mannen aus der Modestadt ordentlich aufgerüstet. Mit Ettore Messina hat sich der langjährige Assistant von Gregg Popovich zu einer Rückkehr nach Europa überreden lassen. Dort soll er nun die Geschicke leiten und mit Hilfe des zweifachen Euroleague-Champions Sergio Rodriguez die Mailänder in die Playoffs führen.

Die deutschen Vertreter

Aus deutscher Sicht ist es erfreulich dieses Jahr zwei Euroleague-Teilnehmer stellen zu dürfen. Mit den Bayern aus München und ALBA Berlin befinden sich zwei deutsche Teams in Europas elitärstem Wettbewerb, denen der Sprung in die Playoffs gelingen kann. Dies dürfte aber, vor allem in Hinblick auf die verbesserten Kader der anderen Playoff-Aspiranten, schwer werden.

Die Bayern hatten nach den Abgängen von Derrick Williams (Fenerbahce), Stefan Jovic und Devin Booker (beide Khimki Moskau) große Lücken zu füllen. Dies ist ihnen mit den Verpflichtungen von den Ex-NBA Spielern Greg Monroe (Milwaukee Bucks), Josh Huestis (Oklahoma City Thunder) und Paul Zipser (Chicago Bulls) zumindest auf dem Papier gelungen. Die Frage ist, wie gut die neuformierte Einheit in dieser Spielzeit harmonieren wird.

Der zweite deutsche Vertreter ist ALBA Berlin. Der EuroCup-Finalist aus der vergangenen Spielzeit ist nach einer 4-jährigen Abstinenz zurück in Europas Elite-Klub. Dort wird unter Headcoach Aito Garcia sicherlich wieder attraktiver Basketball gespielt. Garcia gibt jungen Talenten die Chance, sich weiterzuentwickeln. Doch dass dieser Ansatz ausreicht, um die Top-8 Europas zu erreichen, scheint unwahrscheinlich.

Paul Zipser spielt nach seiner Zeit in der NBA und in Spanien wieder in der BBL (Foto: Getty Images).

Die restlichen Vereine

Für die restlichen Vereine wird ein Einzug in die Playoffs extrem schwer. So wird der Euroleague Neuankömmling Zenit vor allem aufgrund fehlender Erfahrung regelmäßig das Nachsehen haben.

Auch für ASVEL Villeurbanne, dem Klub von Frankreichs Basketballlegende Tony Parker, dürfte die Qualifikation für die Playoffs trotz des guten Starts (zwei Siege) schwer werden. Auch ABA-Liga-Champion Roter Stern Belgrad wird aufgrund der starken Konkurrenz Mühe haben.

Maccabi Tel Aviv, mit ihrem Basketball Diamanten Deni Avdija, der 2020 als „Lottery Pick“ gehandelt wird, und Heimkehrer Omri Casspi, werden so, wie EuroCup-Champion Valencia Basket Club, Olympiacos Piräus, Zalgiris Kaunas und Baskonia Vitoria Gasteiz wohl eher nicht in die nächste Runde einziehen.

Doch im Basketball ist alles möglich und in der wohl spannendsten Euroleague-Saison seit vielen Jahren kann man keine Mannschaft abschreiben.

Der Kampf ist eröffnet und auf die Antwort, wer den Basketball-Thron Europas erklimmen wird, müssen wir uns bis zum 24. Mai gedulden, wenn in der Kölner „Lanxess Arena“ die neuen Herrscher Europas gekrönt werden.

Autor: Benjamin Krek

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