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Rasta Vechta steht im Halbfinale

Aufsteiger RASTA Vechta hat für eine der größten Sensationen in der Geschichte der easyCredit Basketball Bundesliga gesorgt. Am Dienstagabend gewann das Team von Trainer Pedro Calles mit 90:86 bei BROSE BAMBERG uns setzte sich so im Viertelfinale mit 3:1-Siegen gegen den Pokalsieger durch.

Mit einer erneut atemraubenden Leistung ohne vier verletzte Stammspieler gegen die mit Stars nur so gespickten Bamberger schaffte der Tabellenvierte in Oberfranken die Riesen-Überraschung, siegte trotz eines Vier-Punkte-Rückstandes gut 90 Sekunden vor Schluss noch mit 90:86. RASTAs Spielmacher T.J. Bray legte erneut ein Double-Double aus 15 Punkten und 14 Assists auf, holte auch noch acht Rebounds. Austin Hollins war mit 22 Punkten Top-Scorer der Partie und auch Michael Kessens (18 Punkte/7 Rebounds) und Philipp Herkenhoff (15 Punkte) wussten in der BROSE ARENA zu überzeugen.

So richtig ins Spiel in der mit gut 5.700 Zuschauern, darunter rund 50 aus Vechta, bei weitem nicht ausverkauften BROSE ARENA kamen die Gäste in der 4. Minute. Unnachahmlich sicherte sich RASTAs Max DiLeo mit einem Sprung über die Werbebande an der Außenlinie (!) eine Offensiv-Rebound, Philipp Herkenhoff profitierte von jenseits der 6,75 Meter – 8:9-Anschluss in der 4. Minute. Wieder einmal konnte RASTA trotz nomineller Unterlegenheit beim Rebounding überzeugen.

Vechta
Rasta Vechta steht im Halbfinale der BBL-Playoffs (Foto: imago images / HMB-Media).

Michael Kessens schnappte sich das nächste Board am offensiven Ende und glich aus zum 10:10 (6. Minute). Nachdem Austin Hollins die Vechtaer mit Freiwürfen erstmals an diesem Abend in Führung gebracht hatte, schnappte sich Kapitän Josh Young den nächsten Offensiv-Rebound und RASTA lag in der 7. Minute mit 14:10 vorne. Der so vollendete 10:1-Lauf war der vorläufige Höhepunkt im Spiel der Vechtaer, bejubelt vom ganz in Orange gekleideten Anhang. In den Schlussminuten des 1. Viertels kam Brose Bamberg besser auf. Tyrese Rice besorgte per Dreier das 17:16 für die Hausherren (9. Minute), welche aber nicht mit einer Führung in die Pause entkamen. Die nämlich eroberte Michael Kessens für die Vechtaer zurück – per Dunking zum 21:19.

Mit seinem ersten erfolgreichen – und wahnsinnig schönen – Dreier stellte Austin Hollins in der 12. Minute auf 26:24 für RASTA, T.J. Bray holte mit seinem Threeball eine weitere Führung (29:26, 13. Minute) ins RASTA-Land. Auch in den Folgeminuten wusste das Team von Head Coach Pedro Calles die Bamberger Defense immer wieder zu schlagen: Mit einer Doublette seines ersten Dreiers traf Hollins zum 34:31 (16. Minute) , Kessens machte beim 36:33 (17.) schon seine Punkte neun und zehn. RASTAs bis dahin  souveräne Vorstellung geriet dann jedoch ins Wanken, zu viele Ballverluste leistete man sich und kassierte gut eine Minute vor der Halbzeit das 38:44 durch Bambergs Elias Harris (19. Minute).

Nach dem Seitenwechsel regnete es dann Dreier in Oberfranken. Brose Bamberg kam mit ganz heißen Händen aus der Kabine, ballerte sich zu einer 57:47-Führung in der 23. Minute. Die Fans des amtierenden Pokalsiegers aus dem Häuschen, RASTA schien Probleme zu bekommen. Doch es schien nur so. Denn die Gäste legten einen fantastischen Zwischenspurt aufs Parkett – angeführt von Austin Hollins. Aus der Ecke stellte Vechtas Scharfschütze in der 25. Minute auf 54:57, in der 26. Minute ebenfalls per Threeball auf 58:60 und klaute dann noch den Spalding, um so Josh Young den Ausgleich zu ermöglichen – 60:60. Das Calles-Team agierte nun wie im Rausch und Max DiLeo traf von Dowtown mit Ablauf der Shotclock über den Kopf von Nikos Zisis zur 63:60-Führung (27. Minute). Bis auf 70:62 (28. Minute) konnten die Vechtaer ihren Vorsprung nun ausbauen, hatten einen 23:5-Lauf gegen Brose Bamberg hingelegt.

Bambergs Elias Harris glich die Partie dann eindrucksvoll wieder aus, schenkte RASTA per Put-Back-Dunk das 70:70 ein (32. Minute). Diese Partie war nun – wie eigentlich die gesamte Serie – eine auf des Messers Schneide. Genie, sprich: schwerste Dreier, und Wahnsinn, sprich: haarsträubende Ballverluste, wechselten sich nun stets ab. In der 38. Minute konnte Hollins RASTA mit zwei Freiwürfen mit 82:80 in Führung werfen, Brose Bamberg konterte nach dem foul-bedingten Ausscheiden von Michael Kessens in der Manier eines Champions und führten nach Bryce Taylors fünftem Dreier des Abends mit 86:82 – noch 92 Sekunden zu spielen, Auszeit RASTA. 
Aus dieser heraus war es Vechtas 19 Jahre junger Youngster Philipp Herkenhoff, der per Threeball die Hoffnungen auf den vorzeitigen Einzug ins Halbfinale am Leben hielt (85:86, 39. Minute). RASTA konnte die Bamberger dann erneut stoppen und Josh Young eroberte den Gästen die nächste Führung – 87:86, Auszeit Bamberg bei noch knapp 30 Sekunden auf der Spieluhr. Doch auch nach dieser vermochte der Favorit gegen RASTAs aufopferungsvoll kämpfende Defense nicht mehr zu scoren und als Herkenhoff Sekunden vor Schluss den Ball von der griechischen Legende Nikos Zisis klaute und Josh Young auf die Reise zum 90:86 schickte, war die Sensation perfekt.

Stimmen zum Spiel

Federico Perego (Bamberg): „Glückwunsch an Pedro und seine Mannschaft. Wir haben eine solide Leistung gezeigt, aber Vechta war nicht nur heute sondern in der gesamten Serie das bessere Team. Mir bleibt nur noch ihnen viel Glück im Halbfinale zu wünschen. Es ist eine schmerzhafte Niederlage die wir heute einstecken müssen, nicht nur da es das Saisonende bedeutet. Ich finde keine Worte zum jetzigen Zeitpunkt. Wir müssen nun die letzten drei Monate vom Gewinn des BBL Pokals bis zum Einzug ins Champions League Finale analysieren. Wir hätten gerne Zuhause den Sieg geholt um Spiel 5 in Vechta zu erreichen.“

Pedro Calles (Vechta): „Der Schlüssel zum heutigen Sieg und zum erfolgreichen Einzug ins Halbfinale der Playoffs ist die Ausgeglichenheit des Teams. Jeder kämpft für den Anderen. Wir sind angeschlagen in diese Viertelfinalserie gegangen und haben uns als Team durchgekämpft und wurden dafür belohnt. Wir kamen nach Bamberg um Geschichte zu schreiben. Gerade am Ende konnten Harris und Rubit die Rebounds unter den Körben für sich holen. Aber meine Jungs haben sich nach jedem Ball geworfen und gekämpft. Nun müssen wir uns erholen. Vielen Dank auch für die Unterstützung unserer Fans. Dies schätzen wir sehr!“

Boxscore

easyCredit Basketball Bundesliga – Viertelfinale, Spiel 4 – Dienstag, 28. Mai 2019 – 20.30 Uhr 
Brose Bamberg – RASTA Vechta 86:90 (19:21 / 27:21 / 19:28 / 21:20)
Zuschauer: 5.749 in der BROSE ARENA
Bamberg: Ricky Hickman (2 Punkte), Tyrese Rice (19/6 Assists), Nikos Zisis (4/7 Assists), Maurice Stuckey (5), Daniel Schmidt (5), Louis Olinde (7), Elias Harris (12/11 Rebounds), Augustine Rubit (14),  Cliff Alexander (DNP), Patrick Heckmann (3), Bryce Taylor (15), Arnoldas Kulboka (DNP). 
Vechta: Chris Carter (1), Max DiLeo (6/4 Steals), T.J. Bray (15 Punkte/8 Rebounds/14 Assists), Michael Kessens (18/7 Rebounds), Josh Young (13/8 Rebounds), Tim Insinger (DNP), Luc van Slooten (DNP), Clint Chapman (DNP), Philipp Herkenhoff (15), Austin Hollins (22).

Ab Sonntag (18 Uhr, www.magentasport.de) trifft RASTA in der nächsten Best-of-five-Serie auf Titelverteidiger FC Bayern München. Tickets für RASTAs Halbfinalheimspiel am Dienstag (4. Juni, 20:30 Uhr) sind ab Mittwoch um 10 Uhr im Vorverkauf erhältlich.

Ein Kommentar

  1. Holger

    29. Mai 2019 at 11:13

    Glückwunsch und allergrößten Respekt an Vechta von einem Alba Fan. Natürlich wünsche ich mir das Alba das Finale erreicht, was gegen tolle Oldenburger schwer genug wird und wohl ein völlig offenes Halbfinale ist. Aber wenn, wäre es wunderbar wenn es gegen diese Rasta Helden ginge. Aber auf Grund der Personalsituation in Vechta ist das nicht wirklich vorstellbar. Gut, das habe ich auch gegen Bamberg gedacht, aber Bayern ist momentan mindestens eine Klasse besser als Bamberg.
    Zu Perego: Seine Mannschaft hat in keinem Spiel dieser Serie eine solide Leistung gezeigt. Syptomatisch im vierten, ein Do or Die, Spiel einen 5:23 und in den
    letzten 90 Sekunden einen 0:8 Lauf zu Hause zu kassieren, gegen einen Gegner der eigentlich auf Augenhöhe ist, ist nichts anderes als ein Offenbarungseid, spielerisch, kämpferisch und mental.

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