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David Robinson: „Kawhi ist nicht zu ersetzen“

„The Admiral“ David Robinson hat das Londoner NBA-Office besucht und in diesem Zuge ein spontanes Interview gegeben. Der legendäre Center, der Teil des 1992er „US Dream Teams“ war und mit Tim Duncan die berüchtigten „Twin Towers“ bildete, sprach über die San Antonio Spurs, Tony Parker, den Trade von Kawhi Leonard, LeBron James, Marco Belinellis Rückkehr zu den Spurs sowie die Eastern Conference und das Leben nach der NBA.

Anlass seines Besuches war das NBA Global Game 2019 in London, das am 17. Januar 2019 zwischen den Washington Wizards und den New York Knicks ausgetragen wird.

Tickets für das NBA London Game 2019 gehen am Freitag, den 19. Oktober um 10 Uhr deutscher Zeit auf www.axs.com/nbalondon in den Verkauf. Für NBA-Fans gibt es ab sofort die Möglichkeit, sich auf NBA.com/London zu registrieren, um frühzeitig Zugang zu einer begrenzten Anzahl von Tickets zu erhalten, die ab Mittwoch, den 17. Oktober um 10:00 Uhr MESZ angeboten werden.

Robinson

David Robinson wurde als Spieler 1995 MVP der NBA (Foto: Getty Images)

Hallo David Robinson, Spurs-Legende Tony Parker hat nach 17 Jahren die San Antonio Spurs verlassen. Was denkst du über seinen Wechsel zu den Charlotte Hornets?

Ich denke, es war ein Wechsel von dem sowohl Tony Parker als auch die Spurs profitieren. Tony fühlt sich noch gut und ist davon überzeugt, dass es noch wertvolle NBA-Minuten spielen kann. Die Spurs hingegen können nun voll und ganz auf ihre Talente setzen. Selbstverständlich ist Tony Parker eine Legende und ich hätte es toll gefunden, wenn er bei den Spurs geblieben wäre, aber ich möchte auch, dass er glücklich ist und spielen kann.

Es ist eine tolle Möglichkeit für Michael Jordan zu spielen, oder?

Ich denke, das genau das hat ihn begeistert. Die Hornets sind ein interessantes Team. Sie versuchen etwas aufzubauen, was nicht ganz einfach wird. Tony wird ihnen vor allem mit seinen Führungsqualitäten und seiner Erfahrung helfen.

Wie denkst du über den Trade von Kawhi Leonard?

Ich bin sehr zufrieden darüber, wie es schlussendlich für die Spurs gelaufen ist. Ich bin sehr glücklich, dass wir DeMar DeRozan bekommen haben. Er ist ein extrem talentierter, noch immer junger Spieler, der nun das nächste Level erreichen wird. Andererseits bin ich sehr enttäuscht, dass wir Kawhi verloren haben. Er ist ein Spieler, wie es ihn in einer Generation nur einmal gibt. Er ist unglaublich. Er hat sich zu einem der besten Spieler der gesamten Liga entwickelt. Er ist nicht zu ersetzen. Aber ich denke, dass die Spurs das Maximum aus der schwierigen Situation gemacht haben. Ich freue mich sehr auf die kommende Spielzeit, weil ich glaube, dass wir noch immer eine gute Mannschaft beieinander haben.

Wie denkst du über den Wechsel von LeBron James zu den Los Angeles Lakers?

Ja,…Wow, dachte ich mir. Los Angeles hat ein sehr junges Team. In den letzten Jahren haben sie sehr wenig zustande bekommen. Aber mit einem Superstar wie LeBron ist vieles möglich. Wer weiß schon, was sie dieses Jahr erreichen können. Sie könnten sehr gut sein, aber ich persönlich halte sie nicht für einen Contender. Ich denke, es wird verdammt schwer die Warriors zu schlagen. Für mich haben die Rockets und die Spurs auf Grund ihrer Reife die besten Chancen sie zu schlagen.

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David Robinson wurde 1992 zum NBA-„Defensive Playerof the Year“ ernannt (Foto: Getty Images).

Hast du dich über die Rückkehr von Marco Belinelli gefreut und kann er Manu Ginobili ersetzen?

Es wäre absolut fantastisch, wenn ihm das gelingen würde. Aber ich denke, das sind sehr große Fußstapfen. Manu Ginobili ist schließlich ein zukünftiger Hall of Famer. Aber Marco ist ein toller Spieler. Er kennt das Popovich-System bereits. Er war, als er das erste Mal für die Spurs spielte, sehr verlässlich darin Popovichs Anweisungen umzusetzen. Nun kommt er mit viel mehr Erfahrung zurück. Er wird keine Anlaufzeit brauchen und sofort funktionieren. Ich mag seine Spielweise, er ist ein tolle Verstärkung.

Was musst passieren, dass es die Spurs wieder in die Playoffs schaffen?

Ich denke, wir sind noch immer gut genug, um in die Playoffs zu kommen. Wir haben noch immer ein sehr ehrgeiziges Team. LaMarcus Aldridge hat vergangene Saison wohl die beste Spielzeit seiner Karriere hingelegt. Ich glaube, er wird immer besser. DeMar DeRozan ist ein enorm talentierter Spieler, der nun in die Riege der absoluten Superstars vordringen möchte. Er ist schon ein All Star, aber der nächste Schritt ist, als Legende in die NBA-Geschichte einzugehen. Ich habe viel Respekt vor ihm und in San Antonio findet er eine gute Mannschaft vor. Auch Dejounte Murray hat noch ein weiteres Jahr Erfahrung auf dem Buckel. Patty Mills ist ein fantastischer Spieler. Wir haben gute Puzzleteile, ein gutes Team, jede Menge Reife und deshalb glaube ich, dass dieses Jahr wirklich alles drin ist. Es kommt auf den Willen und den Einsatz an. Alle müssen zusammen an einem Strang ziehen. Ich denke, wir werden sehr gut sein!

Kannst du uns eine Einschätzung zu den Golden State Warriors geben?

Die Warriors sind einfach unglaublich. Sie haben ihr Team verdammt gut aufgebaut. Sie haben nachgewiesen, dass kein anderes Team besser besetzt ist. Sie spielen großartige Defense und sind fraglos das beste Offensiv-Team der NBA. Wer sie schlagen möchte, muss völlig über sich hinauswachsen. Die Rockets waren vergangene Saison nah dran, sie zu schlagen. Und ich erwarte dieses Jahr ein noch stärkeres Houston-Team. Sie sind noch erfahrener und motivierter als letztes Jahr. Carmelo Anthony ist ein wichtiger Neuzugang. Houston und Boston traue ich zu, dass sie Golden State schlagen können. Dafür müssen aber alle gesund bleiben.

Was denkst du über die Eastern Conference?

Die Eastern Conference – das ist kein Geheimnis – hat große Probleme echte Spitzenteams hervorzubringen. Es ist doch unglaublich, dass es LeBron James acht Mal in Folge in die NBA-Finals geschafft hat. Natürlich spricht das für LeBron James und seine unglaubliche Qualität, aber es zeugt auch davon, wie schwach der Osten ist. Boston ist mit einem sehr jungen Team das beste Team im Osten. Das ist doch unglaublich. Wen gibt es noch? Ich weiß es wirklich nicht. Kein Team sticht wirklich heraus. Toronto ist ein Kandidat, weil sie Kawhi Leonard verpflichtet haben. Aber auch die Raptors müssen erst noch an der Feinabstimmung arbeiten. Sie müssen ein neues Team zusammenfügen und sind dennoch eines der besten Teams im Osten, das sagt doch eine Menge aus.

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Mit den USA gewann David Robinson sowohl 1992 als auch 1996 olympisches Gold (Foto: Getty Images).

Da jetzt Manu Ginobili und Tony Parker gegangen sind, wird es sicher schwer die Spurs-Kultur an die nächste Generation weiterzugeben…

Es ist eine große Herausforderung unsere ganz besondere Kultur am Leben zu halten. Schon der Abschied von Tim Duncan hat ein riesiges Vakuum im Locker Room hinterlassen. Es ist unfassbar schwierig, ihn auch nur ansatzweise zu ersetzen. Kawhi und LaMarcus Aldridge haben ihr bestes gegeben. Jetzt sprechen wir über drei Spieler, die so lange definiert haben, wer und was die Spurs sind. Es ist extrem schwer. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir gute Leute haben, die verinnerlicht haben, was diese Franchise so besonders macht. Die wissen, was es heißt zu kämpfen und alles für den Erfolg zu geben. Es ist möglich, aber eine harte und entscheidende Herausforderung.

Wie sieht dein Leben heute aus? Was treibt eine NBA-Legende wie du nach der Karriere?

Ich bin sehr glücklich. Ich habe drei Jungs, die gerade zu erwachsenen Männern werden. Zwei haben ihren College-Abschluss in der Tasche und leben in New York City. Der Andere ist aktuell Senior an der Duke University. Ich trainiere manchmal mit ihnen und zeige ihnen so manchen Trick. Das ist wundervoll. Ich persönlich habe in mein Business „Admiral Capital“ investiert. Es lief sehr gut in den letzten zehn Jahren. Wir haben in den letzten fünf Jahren 20 Schulen in San Antonio bauen können. In den nächsten fünf Jahren sind zwölf weitere geplant. Es tut gut, Kindern mit niedrigen Einkommen und schwierigen Biographien eine Chance auf Bildung zu ermöglichen.

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