BASKET

Aller Anfang ist schwer

Als Dirk Nowitzki vor 20 Jahren seine ersten ungelenken Gehversuche in der NBA -machte, glaubte kaum jemand daran, dass aus dem schlaksigen deutschen Riesen einmal einer der größten Baller aller Zeiten werden würde .

Damals, als Dirk Nowitzki vor 20 Jahren an 9. Stelle im NBA-Draft gezogen wurde, war der Prototyp eines -Power Forwards Karl Malone. Körperliche Ähnlichkeiten zwischen dem dürren, baumlangen Deutschen und dem muskulösen, bulligen MVP von 1997 und 1999 waren selbst mit viel Fantasie nicht zu erkennen. Bei seinem ersten NBA-Heimspiel in Dallas am 2. Februar der Lockout-Season bekommt es Dirk mit dem „Mailman“ zu tun, und dieser zeigt ihm eindrucksvoll die Grenzen auf: 31 Punkte und zwölf Rebounds scort der heutige Hall-of-Famer gegen den defensiv völlig überfordert wirkenden Würzburger. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass Nowitzki eines Tages als der neue Prototyp eines Vierers gelten wird.

Verdammt schwere Zeit

Nur Don Nelson ist bereits damals überzeugt, einen besonderen Spieler gefunden zu haben: „Er war schon mit 19 ein einzigartiger Basketballer. Einer, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte“, erklärt der damalige Mavericks-Coach. „Er konnte dribbeln, rebounden, passen und natürlich werfen, und ich dachte mir spätestens nach dem Nike Hoop Summit, dass er etwas ganz Besonderes ist. Deshalb versuchten wir, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um ihn zu bekommen.“

Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks in seiner Rookie-Saison gegen die Clippers.

Dirk Nowitzki legte als Rookie 8,2 PPS und 3,4 REB auf.
Foto: getty images

Auch wenn die Grundlagen -Nowitzkis, der neben Basketball auch lange Tennis und Handball spielte, exzellent waren, gestaltete sich die Debüt-Saison für den späteren MVP und Scoring-Champ alles andere als einfach. Im ersten Monat in der besten Basketball-Liga der Welt gelangen dem deutschen Forward lediglich 6,6 PPS und 3,7 REB bei einer schwachen Wurf-quote von nur 31,6 Prozent. Wer hätte damals gedacht, dass dieser Typ einmal 26,6 Punkte in einer Saison auflegen und in den 50-40-90-Klub gelangen würde?

„Das war eine verdammt harte Zeit für mich: die Umstellung vom deutschen Sport auf den NBA-Basketball. Die NBA ist viel schneller, viel athletischer und viel physischer. Das war ein riesiger Schritt für mich, und gerade das erste Jahr war verdammt hart“, verriet Dirk BASKET. Im zweiten Monat seines Rookie-Jahres gehen die Stats für das „German Wunderkind“ sogar zurück (5,7 PPS, 1,9 REB). Auch die Spielzeit des Neulings wird von 18,9 auf 12,7 Minuten reduziert. „Es lief für mich nicht toll, und ich bin froh, irgendwie durch das erste Jahr gekommen zu sein“, erinnert sich der Sevenfooter.

Doch im dritten Monat, angesichts der Streiksaison also kurz vor Saisonende, erhält Nowitzki als Lohn für seine harte Arbeit im Training plötzlich wieder minutenstarke Chancen. So steht er am 13. April 1999 ausgerechnet gegen die „Twin Towers“ der Spurs, David Robinson und Tim Duncan, 32 Minuten auf dem Court und verhilft den Mavs mit seinem zweiten NBA-Double-Double (zwölf Zähler, 13 Rebounds) zum 92:86-Erfolg. Im Anschluss setzt sich das deutsche Talent fest. Zwei Spiele später steht der große Blonde gegen die Phoenix Suns gar 44 Minuten auf dem Hardwood und verzeichnet mit 29 Zählern ein Season-High. „Ich habe viel in meiner Rookie-Saison gelernt. Glücklicherweise hatte ich Leute wie Steve Nash und -Michael Finley an meiner Seite, die mir gezeigt haben, wie man sich auf und abseits des Courts verhält“, zeigt sich Nowitzki dankbar für die harten Lektionen seiner schwierigen Debüt-Saison.

Die beiden Förderer Nowitzkis

Seit dem Spurs-Spiel genießt „Dirkules“ endgültig das Vertrauen seines Coaches Don Nelson. „Er hat mir damals sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Denn damals war es nicht selbstverständlich, dass ein Sevenfooter so viel mit dem Ball dribbelte und Dreier nahm.“

Aus heutiger Sicht kein eindrucksvoller Wert, aber Nowitzki drückt 1998/99 1,4 mal pro Partie von „Downtown“ ab – und das trotz einer miserablen Dreierquote von 20,6 Prozent. Doch die Erlaubnis, sich aus der Distanz zu versuchen, führt dazu, dass Dirk bereits in seinem Sophomore-Year 37,9 Prozent seiner Dreier versenkt.

Doch trotz des ein oder anderen Highlights und der 29,4 Minuten Spielzeit, die er im April 1999 von Förderer Nelson gewährt bekam, muss klar konstatiert werden, dass Dirks erstes NBA-Jahr kein allzu großer Erfolg war. Völlig zu Recht taucht der beste deutsche Basketballer aller Zeiten nicht in einem der All-Rookie-Teams auf, in die es inzwischen längst vergessene Spieler wie Matt Harpring, Michael Dickerson und Michael Doleac schafften. 

Der Stern des akribischen Arbeiters Nowitzki, der unzählige Stunden mit seinem Mentor Holger Geschwindner an seinem perfekten Wurf arbeitete, ging, wie bereits angedeutet, erst im zweiten Jahr auf. Der inzwischen 72–jährige -Geschwindner erinnert sich nur zu gut an die Anfangszeit seines Zöglings: „Dirk war damals der erste Riese, der von außen werfen konnte. Genau das war auch unser Plan. Du musst etwas Besonderes können, damit die NBA an dir Interesse hat. Dirk hat Sachen gemacht, die es vor ihm noch nicht gab. Der One-step-Fadeaway, der Flamingo-Shot, ist so ein Wurf.“

Und dieser Wurf, der viele Jahre als schlicht nicht zu verteidigen galt, führte ihn bekanntlich zu einer unglaublichen Karriere: Er ist der beste Europäer der NBA-Geschichte, hält nahezu jeden Franchise-Rekord der Mavs, ist sechster der All-Time Scoring List, MVP, NBA-Champion, Finals-MVP und künftiger Hall-of-Famer.

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