BASKET

Rondo: Genie mit Komplexen

Zwei Dinge über Rajon Rondo sind bekannt: Er ist ein exzellenter Point Guard – wenn er will. Aber er ist eben auch ein schwieriger Charakter. Die beiden Komponenten ergänzen sich zu einem sportlichen Perfektionisten, der Basketball fast krankhaft studiert. BASKET zeigt den Rondo, wie ihn sonst nur seine engsten Vertrauten kennen.

Es gibt Dinge, die erscheinen so leicht, dass einfach jeder Mensch glaubt, sie zu können. Doch gerade dort zu den Besten zu gehören, diese – scheinbar – simple Sache zu perfektionieren, ist alles andere als einfach, weil die Konkurrenz durch die große Zahl der Mitstreiter eben knallhart ist. Ein Beispiel: Fast jeder Mensch auf der Welt kann Spaghetti bolognese kochen – oder kennt zumindest theoretisch die Vorgehensweise: Hackfleisch, Tomatensoße, Nudeln – fertig. Doch wer zu den besten Köchen der Welt gehören will, muss mit seiner persönlichen Version des italienischen Klassikers die Geschmacksnerven zum Explodieren bringen. Wer das nicht kann, ist Mittelmaß. Doch wer es können will, muss sich mit Feinheiten beschäftigen, die 99 Prozent aller Konkurrenten niemals bedenken würden. So weit die Theorie.

Rondo

Rajon Rondo war nie einfach (Foto: Getty Images).

Sein ruf eilt ihm voraus – schon seit Jahren

Rajon Rondos „Spaghetti bolognese“ heißt „Vier gewinnt“. Ein Kinderspiel, in dem farbige Plättchen so im Spielkasten platziert werden müssen, dass vertikal, horizontal oder diagonal vier Plättchen der eigenen Farbe in einer Reihe liegen, dann hat man gewonnen. Das einfachste Spiel der Welt – könnte man meinen, wenn man Rajon Rondo nicht kennt. Der Point Guard, der zukünftig für die Lakers auflaufen wird, ist quasi süchtig nach „Connect Four“, wie es die Amerikaner nennen. Rondo studiert und perfektioniert das Spiel seit Jahren, ist mittlerweile quasi unschlagbar, weil er sich – ähnlich wie beim Schach – auch mit der Theorie des Spiels beschäftigt. Welchen Zug mache ich, wenn der Gegner einen bestimmten Zug gemacht hat? Wie geht es dann weiter? Wie sind die Wahrscheinlichkeiten, dass fünf Züge später etwas Bestimmtes passiert? Hochkomplexe Gedankengänge bei einem eigentlich simplen Spiel – man könnte sagen, Rajon Rondo will die ­perfekte „Spaghetti bolognese“ abliefern. „In dem Spiel schlägt mich niemand“, sagt der 32-Jährige mit voller Überzeugung.

Auf eine Weise ist Rondos „Hobby“ eine erfrischende Abwechslung von den Playstation-süchtigen jungen Männern, die die NBA großflächig bevölkern. Doch das Streben nach Perfektion auf eine recht merkwürdige Art und Weise, ja die fast autistischen Züge, die er dabei an den Tag legt, sagen auch enorm viel über den Rajon Rondo aus, den die Basketball-Welt seit seiner Ankunft in der NBA 2006 kennengelernt hat.

Als erster Point Guard des Drafts wird Rondo an 21. Stelle von den Phoenix Suns in die Liga geholt, allerdings gleich zu den Boston Celtics getradet. Nach einem eher unscheinbaren Rookie-Jahr (6,4 PPS, 3,8 AS, 3,7 REB) stellt sich die Celtics-Franchise im Sommer 2007 komplett auf den Kopf. Nicht nur, dass Rondo Starter auf der Eins wird, mit Paul Pierce, Kevin Garnett und Ray Allen formt sich auch die berüchtigte „Big Three“ beim Rekordmeister. Jene Starbesetzung, die sich gleich im ersten Jahr den Titel sichert.

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Thomas Werner

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