BASKET

Simmons: „Keine Grenze für mich“

Ben Simmons von den Philadelphia 76ers schließt per Korbleger ab.

Ben Simmons ist einer der beeindruckendsten Rookies der letzten zehn Jahre.
Foto: getty images

Die Jahre des Rebuilds sind in Philadelphia endlich beendet. Denn Ben Simmons, der in der vergangenen Saison alle 82 Partien verpasste, ist endlich an Bord. Der No.-1-Pick von 2016 hätte kaum spektakulärer starten können. Durch seine Gala-Vorstellung am vierten Spieltag gegen die Detroit Pistons (21 Punkte, zwölf Rebounds und zehn Assists) ist Simmons der einzige Spieler neben Oscar Robertson (1960) und Art Williams (1967), der innerhalb seiner ersten vier NBA-Spiele ein Triple-Double auflegen konnte. Der einzige Spieler, der je jünger bei einem NBA-Triple-Double war, ist ein gewisser LeBron James, der als Sophomore die besagte Statline realisieren konnte. Über die Vergleiche mit „King James“ sprach Simmons ebenso wie über die lange Verletzungspause und seine großen Ziele in der NBA.

Hallo Ben, wir haben erfahren, dass deine Eltern bei deinem NBA-Debüt in der Halle waren. Was hat dir das bedeutet?
Es war unglaublich, dass sie da waren. Es bedeutet mir sehr viel. Ich habe ein Jahr lang auf diesen Moment gewartet. Die letzte Saison war so frustrierend für mich.

Was war der eindrucksvollste Moment deines NBA-Debüts? Was ist dir am nachhaltigsten im Gedächtnis geblieben?
Der Moment, in dem ich auf den Court lief. Danach ging alles ganz schnell. Ich war wie in Trance, und dann gab es schon den Jumpball und los ging es. Im nächsten Moment realisierte ich, es ist so weit, ich spiele NBA-Basketball. Und das gleich gegen John Wall und Bradley Beal. Dieses Spiel werde ich nie vergessen.

Was ging dir letzte Saison durch den Kopf, als dir klar wurde, dass du ein Jahr lang auf dein NBA-Debüt wirst warten müssen?
Ja, das war echt sehr hart. Ich war sehr frustriert zu dieser Zeit. Es gab eine Zeit, da hat es mich fertig gemacht, jeden Tag in die Halle zu gehen und den Jungs zuschauen zu müssen, und das immer mit dem Bewusstsein, dass ich selbst nicht auf dem Court stehen kann. Ich habe versucht, das Beste aus der Situation zu machen und durch das Zusehen viel zu lernen. Außerdem habe ich unzählige Stunden Video-Material analysiert und versucht, auf meinen Körper zu achten. Ich ernte jetzt endlich die Früchte meiner Arbeit. Es ist toll, einfach zu spielen.      

Was hast du während der Zeit explizit gelernt?
Es waren viele Dinge. Es ist wirklich sehr wertvoll, von der Tribüne aus den gesamten Court zu sehen. Diese Sicht auf das Spiel hat man als aktiver Basketballer ja nicht oft. Ich denke, dass mir das auf dem Feld viel bringt. Aber selbstverständlich lernt man als junger Spieler am allerbesten  durch Spielpraxis. 

Du musst bereits als Kind von der NBA geträumt haben. Wie fühlt es sich jetzt an?
Ja das stimmt. Ich genieße es aktuell einfach. Ich habe darauf mein ganzes Leben lang hingearbeitet und bin nun endlich am Ziel. Aber jetzt muss ich meine Chancen auch nutzen und das Maximum aus meinem Talent machen. Manches wird eine gewisse Zeit dauern, aber ich schaue zuversichtlich in die Zukunft.

Du wirst bereits jetzt sehr häufig mit LeBron James verglichen. Wie schaffst du es, bei diesen Vergleichen auf dem Boden zu bleiben?

Ganz im Ernst, ich spiele einfach Basketball. Vieles muss ich mir selbst erst noch beweisen, ehe ich mich mit all diesen Vergleichen beschäftige. Aber grundsätzlich mache ich mich deshalb nicht verrückt. Ich versuche schlicht und einfach, meinem Team zu Siegen zu verhelfen. Ich lasse nicht zu, dass Leute mich mit ihren Aussagen aus dem Gleichgewicht bringen. Ich glaube nicht an den Hype um meine Person, ich glaube nur an mich und meine Teammates.

Du agierst aber wie LeBron als Point Forward – oder siehst du dich als klassischen Point Guard? Welche Position spielst du am liebsten?
Am besten gefällt mir die Position, auf der ich für mein Team am wertvollsten bin. Ich denke aber, dass ich – dank meiner Größe, meiner Geschwindigkeit, Vielseitigkeit und meiner Qualitäten als Spielmacher – auf der Eins meinem Team am Besten helfen kann. Gegen kleinere Point Guards habe ich die Möglichkeit, aufzuposten und den Ball im Lowpost zu erhalten. Aber ich fokussiere mich nicht nur auf eine Sache. Ich achte nicht darauf, dass ich gute Pässe spiele, so wenig, wie ich mir das Ziel setze, gut zu rebounden oder zu scoren. Ich will alles geben, was notwendig ist, um mein Team zum Sieg zu führen. Dabei ist mir auch egal, ob sich meine Leistung in Statistiken widerspiegeln oder nicht. Die Position ist zweitrangig.

Ihr spielt mit hohem Tempo und habt ein gutes Transition-Game. Wie sieht für dich der optimale Fastbreak aus?
Erst mal ist es wichtig, dass ich mit dem Ball in der Hand für Tempo sorge. Wenn die Defense mir etwas zu viel Raum gibt, attackiere ich selbst den Korb. Wie, das kommt natürlich auf die jeweilige Situation an: Gegen größere Spieler versuche ich, meinen Geschwindigkeitsvorteil auszuspielen. Ich weiß, dass sie mit meinem ersten Schritt nicht mithalten können. Gegen kleinere und schnellere Gegner versuche ich eher, den richtigen Moment abzupassen. Oft variiere ich dabei das Tempo und setze auf den Überraschungsmoment oder den plötzlichen Pass. 

Welches Duell ist für dich das Highlight der Saison? Welches Team oder welcher Spieler reizt Ben Simmons besonders?
Es gab und gibt unzählige. Es gibt eine Menge Jungs, gegen die ich unbedingt spielen möchte. Ich will mich mit den Besten messen. Mit den Cavs, den Warriors, OKC und den Rockets. Ich habe mein ganzes Leben dafür gearbeitet, gegen die Besten zu spielen, und will selbst einer der besten Spieler der NBA werden. So lange ich gut arbeite, denke ich, dass es nach oben keine Grenzen für mich gibt.

Ihr habt ein junges Team mit vielen starken Persönlichkeiten. Wie ist die Stimmung im Team? Wie ist die Atmosphäre im Locker-Room?
Die Stimmung ist gut. Jeder ist ehrgeizig, und wir haben alle ein gutes Verhältnis zueinander. Wir sind wie Brüder. Wenn wir im Locker-Room sind, wird sehr viel geredet. Es macht einfach Spaß. Niemand wird alleingelassen oder muss sich verstellen. Aber wir schonen einander auch nicht mit Kritik und sagen uns immer klar und deutlich die Meinung. Das ist eine gute Sache.

Gibt es in der aktuellen NBA einen Spieler für dich, der dir angesichts seiner Spielweise als Vorbild dient?
Nein, ich kenne keinen, dessen Spielweise ich als Vorlage für mein eigenes Spiel verwenden möchte. Am ehesten noch Giannis Antetokounmpo. Ich konzentriere mich lieber auf mein eigenes Spiel.

Es ist zwar erst deine Rookie-Saison, doch was geht dir durch den Kopf, wenn du an deine eigene NBA-Zukunft denkst? Was können die Fans von Ben Simmons erwarten?
Eine Menge! Ich versuche, nicht allzu weit nach vorn zu schauen. Ich konzentriere mich lieber auf die Gegenwart, aber die Zukunft wird sehr aufregend. Ich muss hart arbeiten. Es braucht Zeit, aber eines Tages kann ich sicher einer besten Spieler der Liga werden.

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