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Teodosic – der verrückte Professor

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Die serbische Assistfabrik ist in Europa seit Jahren für wahnsinnige Zuspiele und irre Würfe von ,,Downtown“ bekannt. Beim Final-Four in Berlin konnte sich Milos Teodosic von ZSKA Moskau endlich die Krone Europas aufsetzen. BASKET analysiert euch diesen Ausnahme-Spielmacher.

Die Mercedes-Benz Arena im Osten von Berlin war am 15. Mai 2016 überwiegend in der Hand von Fenerbahce Istanbul. Im Vergleich zur gelben Wand befand sich die russische Delegation eher in der Unterzahl. Man konnte glauben, dass sich ein kleines galisches Dorf gegen das große Rom zur Wehr setzt. Aber dieser Rahmen war wie geschaffen für Milos Teodosic und seinen großen Traum. Ein wenig erinnerte die Euroleague-Bilanz des serbischen Nationalspielers, in Diensten des wohl bekanntesten russischen Basketballklubs, an LeBron James. Oft war er dicht dran, aber am Ende fehlte das letzte entscheidende Detail zum Triumph. Ganze sechs Mal war der 1,95 Meter große Guard aus dem serbischen Valjevo bereits beim Final-Four dabei. Zum großen Wurf hatte es sowohl mit dem griechischen Serienmeister Olympiakos Piräus, als auch mit seinem aktuellem Verein bis zum Final-Four in der deutschen Hauptstadt nicht gereicht. ,,Wenn ich gewusst hätte, wie gut der Erfolg schmeckt, hätte ich es gelassen“, gibt sich Teodosic nach dem größten Triumph seiner Karriere aber dennoch gewohnt locker.

An Selbstvertrauen und Siegeswillen hat es ihm so oder so definitiv noch nie gemangelt. Der wertvollste Spieler der Euroleague-Saison 2010 geht keiner Herausforderung aus dem Weg oder besitzt gar Furcht davor, den entscheidenden Wurf zu nehmen. Selbst wenn er zuvor nur 25 Prozent von Downtown getroffen hat. Man muss nur einmal Jorge Garbajosa fragen, der ehemalige Spieler der Toronto Raptors hat wahrscheinlich immer noch Albträume. Während der Weltmeisterschaft in der Türkei führte MT4, die Truppe um den legendären Trainer Duda Ivkovic auf den vierten Platz des Turniers, machte eindrucksvoll auf sich aufmerksam und konnte sich im europäischen „Spielmacherolymp“ etablieren. 

2016 konnte Milos Tedosic endlich die Euroleague gewinnen.

2016 konnte Milos Teodosic endlich die Euroleague gewinnen, Foto: getty images.

Hellwach
Der Vizeweltmeister von 2014 wirkt oft, als wäre er gerade aus dem Bett gekommen. Unrasiert und mit müden Augen kommt er oft daher. Dieser Eindruck sollte aber nicht täuschen, denn wenn es zum Tip-Off geht, ist die Nummer Vier zur Stelle. Nicht wenige Experten halten ihn für den besten Point Guard in Europa. Die Kaltschnäuzigkeit, mit der er in den entscheidenden Momenten agiert und die Übersicht, mit der er das Spiel liest und seine Mitspieler jederzeit gekonnt in Szene setzen kann, ist auf dem alten Kontinent schwer zu finden. Er führt die lange Tradition der guten Point-Guard-Schule des ehemaligen Jugoslawien fort, aus der zahlreiche Weltmeister, Europameister und spätere NBA-Profis hervorgegangen sind. Man denkt da spontan an Sasa Obradovic, Marko Jaric oder auch Igor Rakocevic. Die Liste kann natürlich endlos weitergeführt werden. Einer der größten Crunchtime-Kings des Balkans war Dejan Bodiroga! Ähnlich sieht es auch sein Nachfolger Teodosic: „Ich habe ihm gerne zugesehen und für mich ist er einer der besten serbischen Spieler“. Aus dieser Point-Guard-Generation stammt auch der heutige Trainer der serbischen Nationalmannschaft Sasa Djordjevic, dieser feierte sowohl mit Partizan Belgrad deren ersten und einzigen Euroleague-Erfolg, als auch mit Jugoslawien zahlreiche Erfolge. Er weiß genau, wie sich seine rechte Hand auf dem Feld in der entscheidenden Phase fühlt. Alles was zählt, ist der Erfolg. Ohne jeden Zweifel ist Teodosic, der Fan von Roter Stern Belgrad ist, der Anführer der „weißen Adler“, wie die Serben genannt werden. Bei großen Turnieren endete der Weg von Teodosic & Co. oft erst Halbfinale oder Finale. Wer an die letzte Weltmeisterschaft und das Finale von Serbien gegen das Team USA denkt, erinnert sich an einen Traumstart der Balkan-Truppe. Zwar reichte es am Ende nicht zum Sieg, dennoch lieferte Milos Teodosic unnachahmliche Assists, die seinen Trainer aber auch zur Verzweiflung trieben.

Zwischen Genie und Wahnsinn
Sein kreativer Ansatz des Ballvortrags und auch die Frisur, erinnern mitunter etwas an den legendären ,,Pistol Pete“ Maravich. In der Euroleague legte er im Schnitt 4,5 Assists auf und erzielt 11,9 Punkten pro Spiel. Für ihn liegen die Zutaten für einen guten Point Guard klar auf der Hand: „Er muss Selbstvertrauen haben und den Basketball lieben. Alles andere hängt von der individuellen Klasse ab“. Bei ihm scheiden sich die Geister, mal ist er der alles überragende Spieler und dann wieder will er zu viel und überdreht. Aber aus all diesen Erfahrungen hat Teodosic seine Lehren gezogen und weiter an sich und seinem Spiel gearbeitet. Beim Euroleague Final-Four in Berlin bildete er mit dem Euroleague MVP und ehemaligen Spieler der San Antonio Spurs, Nando De Colo, das gefährlichste Backcourt Duo. Selbst im Finale gegen Powerhouse Fenerbahce Istanbul, waren er und De Colo mit gemeinsamen 41 Punkten und 14 Assists die entscheidenden Faktoren für den ersten Euroleague-Titel des 29-jährigen Aufbauspielers. Es ist die Konstanz, mit der er Jahr für Jahr seine Leistungen auf dem Court abliefert und sich dadurch überall neue Fans erspielt. ,,Er kann alles auf dem Basketball-Court und vielleicht ist er sogar der besten Pass-Geber der Welt“. Dieses Lob kommt vom Head Coach der Utah Jazz, Quin Snyder. Auch in der NBA kennt jeder General Manager seinen Namen und dürfte ihn schon Mal auf dem Zettel gehabt haben. Was kommt als nächstes für ihn? Geht sein Weg von Europa über den großen Teich in die NBA? Die Fragen hinsichtlich der besten Basketballliga der Welt umgibt Teodosic bereits seit geraumer Zeit.

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