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Steven Adams – Mann aus Stahl

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Feuerwehrmann, Fußballprofi, Baggerfahrer, Pilot, Rennfahrer, Popstar – das sind die Traumberufe der meisten Jungen. Actiongeladen soll der spätere Job sein – und wenn’s geht, auch Ruhm mit sich bringen. Aus diesem Stoff sind Kinderträume gemacht. Bei den meisten Kids jedenfalls. Steven Adams ist aber nicht wie die meisten. War er noch nie. Steven Adams ist anders, ein Exot. Erst als Kind, dann als Jugendlicher und auch jetzt in der NBA. „Ich wollte immer Farmer werden“, sagt der Big Man der Oklahoma City Thunder schmunzelnd. „Ich habe mich über Jahre wirklich sehr darauf gefreut, als Bauer meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch irgendwann hat sich das geändert.“

Vor allem, weil er anders ist. Seit seiner Geburt. Steven ist das jüngste von 18 Kindern, die sein Vater Sid mit fünf Frauen hat. Und sie alle sind außergewöhnlich. Vor allem außergewöhnlich groß. Die Frauen der Adams-Family sind im Schnitt 1,83 Meter groß, die Herren stattlich 2,06 Meter! Da ist es nicht leicht, sich zu behaupten.

Der 2,16 Meter große Sid Adams ist in jungen Jahren gar aus England ausgewandert, weil er so absurd es heute klingen mag – nach seinem Dienst in der Royal Navy im Alltag aufgrund seiner imposanten Statur als Freak diskriminiert wurde. In Neuseeland spielte Größe hingegen schon damals keine Rolle, die Ureinwohner, die Maori, sind ein Volk von imposanter Statur. Stevens Mutter stammt von der polynesischen Insel Tonga, deren Einwohner auch groß und kräftig sind. Diesem Gen-Mix verdankt der Center, dessen acht Jahre ältere Schwester Valerie zweimalige Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin im Kugelstoßen ist, sein Big-Man-Gardemaß von stolzen 2,13 Meter und seine 116 Kilo Muskelmasse.

Stevens Heimat ist die 55.000-Einwohner-Stadt Rotorua. Der Ort ist bekannt für seine geothermische Aktivität, heiße Quellen, Thermalfelder und seine Geysire. Wer schon einmal dort war, weiß, was Gestank ist – und fragt sich, was für Menschen dort leben. Man muss von einem ganz besonderen Schlag sein, denn die brodelnden Schlammlöcher, die man dort überall findet, spucken nicht nur heiße Luft aus, sondern bestialisch stinkende Schwefel-Dämpfe. „Der Gestank ist wirklich schrecklich“, bestätigt der 22-Jährige und ergänzt lachend: „Man kann es sich so vorstellen, als würde dir jemand auf dem Gesicht sitzen und permanent furzen! Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.“

Vom Nachwuchsgangster zum NBA-Profi

Schwer vorstellbar, aber es muss etwas dran sein, sonst würden außer der Familie Adams nicht noch so viele Menschen dort leben. Und irgendwie passt diese unwirtliche Umgebung auch zu Steven und dessen einzigartiger Geschichte, die inzwischen eine der größten Erfolgsgeschichten der neuseeländischen Sportwelt ist. Wenn sein Rookie-Vertrag 2017 ausläuft, wird er zum bestbezahlten „Kiwi“-Athleten.

Denn sein Game, die harte, ehrliche Arbeit, die der Center Abend für Abend für die Thunder unter den Brettern verrichtet, kommt nicht von ungefähr. Schon als Kind mag es Steven eher ruppig. Rugby ist genau sein Ding, wie viele seiner Altersgenossen träumt auch er davon, einmal für das neuseeländische Nationalteam, die berühmten „All Blacks“, zu spielen. Doch mindestens genauso liebt er es, draußen zu sein und mit anzupacken. Deshalb träumt er als Kind auch noch mehr davon, Bauer zu werden.

Weiterlesen? Die Meister-Story der Cleveland Cavaliers „Der König krönt sich selbst“ gibt es in der BASKET-Ausgabe 07-08/2016 (ab 29. Juni am Kiosk).

 

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