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BASKET

Die größten Abstürze

In der Regular Season top, aber in der Postseason eher bad. Seit Beginn der National Basketball Association im Jahre 1946 gibt es große Überraschungen in der zweiten Hälfte des Saison. Für die Underdogs sind es Sensationen, für die Favoriten Abstürze. BASKET blickt für euch auf die krassesten Failures und die Teams, die Spielverderber gegeben haben.

Nichts ist aufregender als das Duell von David gegen Goliath. Man muss als vermeintlicher Zwerg in einer Best-of-Seven-Serie dem großen Kontrahenten vier Mal ein Bein stellen. Die Playoffs sind doch die schönste Zeit. Sobald der Erste gegen den Achten, der Zweite gegen den Siebten, der Dritte gegen den Sechsten oder der Vierte gegen den Fünften aufläuft – werden die Augen ganz groß. Dass die Vorzeichen nicht immer automatisch auf Sieg stehen, wenn man als Favorit in den Championship-Battle geht, haben einige Teams in den vergangenen Jahren bewiesen, die mit reichlich Star-Power im Roster auffahren konnten.

Duell der Legenden: Gary Payton (r.) gegen Dikembe Mutombo. Foto: getty images

Duell der Legenden: Gary Payton (r.) gegen Dikembe Mutombo.
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The Glove and The Reignman
Wer an die Oklahoma City Thunder und ihren Star Kevin Durant denkt, kann sich sicher noch erinnern, welchen Namen das Team in seinem Rookie-Jahr 2007/08 noch getragen hat. Wer jetzt auf die Seattle SuperSonics kommt, liegt richtig. Das Team, das zwischen 1967-2008 im Bundesstaat Washington beheimatet gewesen ist und sich 1979 ein Championship-Banner sicherte, hat vor dem Umzug nach Oklahoma zur Saison 2008/09 für reichlich Wirbel gesorgt. Die Liste der Legenden, die das Jersey in Weiß, Grün und Gelb getragen haben, ist lang. Etwa Ray Allen aka „Jesus Shuttlesworth“, Detlef Schrempf oder der ehemalige Coach der Portland Trail Blazers Nate McMillian, um nur ein paar zu nennen – sie alle haben die Geschichte dieser Franchise mitgeprägt. Auf der Jagd nach der zweiten Meisterschaft der Vereinsgeschichte gelang den Sonics in der Saison 1993/94 mit 63 Siegen und 19 Niederlagen eine starke Ausbeute und somit der erste Platz im Westen. In den Playoffs warteten auf Gary Payton, der mit 6,0 Assists und 2,3 Steals pro Spiel ein gutes Jahr hatte, und den ,,Reign Man‘‘ Shawn Kemp die Denver Nuggets. Die Nuggets hatten sich nach der regulären Saison mit dem defensiven Anker Dikembe Mutombo sowie dem mit 18 Punkten im Schnitt Topscorer Mahmoud Abdul-Rauf auf Platz 8 eingereiht.

Nach zwei Spielen, die mit 106:82 und 97:87 deutlich an die Jungs von George Karl gegangen waren, stand die Ausganglage für Game 3 in Mile-High City fest. Was aber folgte, konnte niemand vorhersagen. Ein regelrechter Schneeballeffekt setze ein und mit drei Siegen in Folge war die Sache besiegelt. Mutombo & Co. zogen in die nächste Runde ein und für Seattle blieb nur die Heimreise. Nach den Washington Capitols aus der Spielzeit 1946/47 war es erst das zweite Mal, dass ein ,,Number One Seat“ in der ersten Runde die Segel streichen musste. Kurze Zeit später, in den Finals 1996, war Seattle dann dicht dran am Titel, wurde aber von den Chicago Bulls gestoppt.

Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks verteidigt in den Playoffs 2007 gegen Stephen Jackson von den Golden State Warriors.

Dirk und seine Mavs bekamen Stephen Jackson und seine Warriors 2007 einfach nicht in den Griff.
Foto: getty images

Dallas Blues
Ein wenig später startet in einer texanischen Großstadt ein ambitioniertes Projekt. Mit der Streiksaison 1998/99, fanden ein großer und ein deutlicher kleinerer Blondschopf den Weg zu den bis dato eher blamablen Mavericks. Am 4.Januar 2000 hat einer der bekanntesten Besitzer der NBA in Marc Cuban die Dallas Mavericks gekauft, dann hat die Fahrt von Dirk Nowitzki und Steve Nash richtig Tempo aufgenommen. Bis zum ersten Finale hat es sechs Jahre gedauert, der Gegner kam aus Florida mit dem Hall-of-Famer Shaquille O’Neal und dem kaum zu stoppenden Youngster namens Dwyane Wade. Die Miami Heat haben den Titel nach einem 2:0-Rückstand geholt und man hätte meinen können, dass die Mavericks in der Folge auseinanderfallen. Im Gegenteil, die Texaner um ihr Würzburger Aushängeschild legten los wie die Feuer und fegten durch die Liga zu einer Bilanz von 67 Siegen und 17 Niederlagen. All das Ganze ohne den mittlerweile zweimaligen MVP der Regulären Saison Steve Nash, der die Mavericks 2004 in Richtung Phoenix verlassen hatte. Den Titel des ,,Most valuable Players“, hat sich in diesem Jahr auch Dirk Nowitzki erspielt. Durch die 24,6 Punkte und 8,6 Rebounds vom Franchise-Player pro Partie, war man da, wo man hin wollte. Alles angerichtet! Mit der besten Bilanz und dem besten Spieler ging es nun gegen den vermeintlichen Underdog aus der Bay-Area. Lange vor Stephen Curry wussten die Golden State Warriors bereits die Kontrahenten zu ärgern. Es konnten z.B. Siege gegen die Spurs, Rockets oder auch die Orlando Magic gefeiert werden, somit war das Team aus Lone Star State gewarnt. Doch die Katastrophe konnte auch von Dirk Nowitzki nicht verhindert werden: Der Finalist des Vorjahres wurde von Baron Davis, Stephen Jackson, dem Rest des Teams und vor allem den Zuschauern in die Schranken gewiesen und musste bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in den Playoffs die Segel streichen. Eine der größten Überraschungen aller Zeiten war perfekt. Nach Jahren voller Abstürze und Enttäuschungen kam der Titel für Dallas dann im Jahr 2011.

Kiss from a rose
In der Post-Jordan-Ära waren die Chicago Bulls alles, nur nicht wirklich erfolgreich. Der Draft 2008 und der erste Pick brachten wieder Hoffnung auf bessere Zeiten. Derrick Rose sorgte für die Rückkehr auf die Siegerstraße. Der MVP der Spielzeit 2010/11 formte zusammen mit dem langjährigen Headcoach Tom Thibodeau eine defensiv-orientierte Mentalität, die die Bulls zu einem unbequemen Gegner für jedes Team machte. In der Lockout-Season 2011-12 waren 66 Spiele für alle zu absolvieren. Die Bulls verfügten neben Rose, Kyle Korver, Carlos Boozer oder auch Luol Deng über reichlich Optionen in der Offensive. Das Paket aus starker Defensive und guter Offensive führte zu 50 Siegen und nur 16 Niederlagen. Der Playoff-Gegner aus Philadelphia war kein Unbekannter, immerhin traf man schon in der regulären Saison dreimal aufeinander. Der direkte Vergleich ging mit 2:1 an die Vertreter aus Illinois. Doch wenn es um Trophäen geht, können auch die größten Außenseiter über sich hinauswachsen. In sechs Spielen haben die Spieler um Andre Iguodala und Lou Williams die hochgehandelten Bulls aus dem Wettbewerb geworfen. Der Traum von der ersten Meisterschaft seit 1998 war ausgeträumt und bleibt bis heute unerfüllt.

Do not forget
Die Washington Capitols, Seattle Supersonics, Dallas Mavericks und Chicago Bulls sind die bisher einzigen Teams, die als Team mit der besten Bilanz in der regulären Saison in der ersten Runde ausgeschieden sind. Das sind gerade einmal 5,6 % aller Top Seats. Im Gegensatz dazu stimmt eine andere Zahl vielleicht alle Mannschaften in der NBA versöhnlich. Denn ganze 48 % aller Top-Teams, die mit der besten Bilanz in die Playoffs gegangen sind, haben am Ende die Meisterschaft geholt. Die Golden State Warriors haben also – rein statistisch – gute Chancen, ihren Erfolg aus dem Vorjahr zu wiederholen. Einem Abschied aus den Playoffs, den man als einen der größten Abstürze aller Zeiten bezeichnen muss, sind sie ja schon erfolgreich aus dem Weg gegangen.

Drazen Kanazir

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