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Dirk Nowitzki: „Uns fehlt ein Bisschen von allem!“

Schade, schade! Deutschland verliert das vierte EM-Spiel gegen Italien mit 82;89 nach Overtime! Im Interview spricht Dirk Nowitzki über die Gründe und die letzte Chance auf den Endrundeneinzug gegen Spanien.

Nach den bitteren Niederlagen gegen Serbien (66:68) und die Türkei (75:80) war die deutsche Mannschaft am Mittwoch gegen Italien unter Zugzwang – und ging damit sehr gut um. Unter der Führung des exzellent aufgelegten und nimmermüde attackierenden Dennis Schröder (29 P., 7 Ass., 4 Reb.) erspielte sich die DBB-Truppe schnell einen Vorsprung und lag im 1. Viertel zum Teil mit acht Punkten vorn (17:9). Italien ließ sich aber nicht abschütteln und blieb immer in Schlagdistanz, kurz vor der Pause glich Daniel Hackett gar zum 42:42 aus.

Nach der Halbzeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem die Deutschen den längeren Atem zu haben schienen (68:63; 34. Min.). Doch wieder schlugen Danilo Gallinari (25 P.), Marco Belinelli (17) und Co. zurück (73:72 für Deutschland bei 1:28 Minuten verbleibender Zeit). Als Dennis Schröder dann 27 Sekunden vor Schluss auf 75:72 erhöhte, war die DBB-Truppe  dem so wichtigen Sieg nahe. Leider ging die Taktik von Bundestrainer Chris Fleming, bei diesem Spielstand zu foulen, nicht auf. Gallinari glich nach einem erfolgreichen Schröder-Freiwurf zum 76:76 aus, Dennis’ letzter Wurf fiel nicht – Overtime!

Und dort behielten die Italiener, die insgesamt das ausgeglichenere Team waren, dank Clutch-Shots von Gallinari und Belinelli leider die Oberhand. BASKET hat im Anschluss mit Dirk Nowitzki gesprochen:

Dirk Italien

Gut gekämpft, aber am Ende standen Dirk Nowitzki und das deutsche Team wieder mit leeren Haänden da. (Foto: Getty Images)

Dirk, warum schafft es die Mannschaft nicht, sich nach guten Leistungen wie auch gegen Serbien mal zu belohnen?
Ich weiß nicht, ob uns in so knappen Spielen vielleicht noch etwas die Erfahrung fehlt, die Entschlossenheit, das nötige Glück, so ein bisschen von allem. Es ist natürlich verdammt bitter, zwei Spiele in der Vorrunde so zu verlieren. Beide Male hast du eine Riesenchance, heute sogar noch mehr als gegen Serbien, wir sind mit drei Punkten vorn. Dann foulen wir aber, so wie man das hier in Europa macht. Es ist alles irgendwie gegen uns gelaufen, aber ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir haben gut gekämpft, sehr gut verteidigt, auch Gallinari und Belinelli immer versucht, gut vor uns zu halten, was sehr schwer zu machen ist.

Am Ende haben dann aber wieder Kleinigkeiten den Unterschied gemacht …
Ja, genau. Ein paar Angriffe, in denen der Ball dorthin geht, wo wir ihn nicht haben wollen. Dass wir Ballverluste haben. Zweimal am Ende gute Würfe bekommen, die dann nicht reinfallen. Dann in der Defensive zweimal einen Box-Out verpassen und die den Offensivrebound kriegen – das war auch ein Killer! So entscheiden dann an einem so langen Spiel am Ende Kleinigkeiten. Wenn wir die besser machen, gewinnen wir wahrscheinlich.

Dennis Schröder hat gesagt, dass er Chris Flemings Entscheidung, am Ende bei der Drei-Punkte-Führung zu foulen, nicht verstanden hat. Wie siehst du das?
Also in der NBA machen wir das nicht, aber hier in Europa macht das jeder. Auch wir in den Training der letzten Wochen, wenn eine Mannschaft drei vor war. Das funktioniert nun mal oft. Aber klar ist, dass du dann deine Freiwürfe treffen musst, sonst wird es schwer. Und der Gallinari hat dann einen guten Wurf getroffen, obwohl wir gut an ihm dran waren. Wir hatten dann noch vier Sekunden, haben ein gutes System gelaufen, Dennis ist super zum Korb gekommen, aber das ist dann Glück, das uns fehlt. Er geht hinten drauf und raus – er hätte genauso gut reingehen können. So läuft im Moment die EM.

Was macht dir Hoffnung, dass es gegen Spanien morgen klappt?
Ja, wir müssen genauso kämpfen, uns von den Fans tragen lassen, wie wir es heute zum Teil gemacht haben. Spanien ist eine sehr erfahrene Mannschaft, Pau Gasol spielt eine Riesen-EM. Da haben wir alle Hände voll zu tun, müssen verteidigen, kämpfen, rebounden, Dennis muss so attackieren, wie er es heute gemacht hat. Er hat von der ersten bis zur letzten Minute die Defense attackiert, das muss er morgen auch wieder machen.

Hat man heute gesehen, dass euch etwas die Tiefe fehlt und damit am Ende auch ein wenig die Kraft?
Ja, wir wissen schon seit ein paar Wochen, dass wir auf den großen Positionen sehr dünn besetzt sind. Der Ausfall von Maik Zirbes ist schon ein Killer für uns. Ein Großer der dazwischen geht, der aufräumt, der gegen Große dagegen halten kann. Maximilian Kleber ist natürlich ein Spieler, der einem da in den Sinn kommt. Daniel Theis spielt in Bamberg schon wieder 30 Minuten, aber er kann nicht hier spielen, was schon ein bisschen eine Frechheit ist. Es ist einfach bitter, dass wir viele Verletzungen haben, da müssen wir uns durchkämpfen.

Wie groß ist der Glaube, dass ihr das sportliche Ziel „Achtelfinale“, das ihr euch gesteckt habt, noch erreicht?
Wenn du Sportler bist und den Wettkampf liebst, dann willst du so eine Situation: Win or go home! Das ist in den Playoffs in Spiel 7 so, das ist jetzt bei der EM so. Wir müssen gewinnen, sonst sind wir raus, da gibt es nichts mehr rumzurechnen. Vielleicht ist es ein kleiner Vorteil, dass Spanien heute das späte Spiel hat. Wir haben morgen beide vier Spiele in fünf Tagen in den Knochen, das wird bestimmt nicht hübsch werden, das wird über den Kampf gehen, so wie wir das heute gemacht haben. Wir müssen vorne und hinten Druck machen und dann schauen wir mal, dass wir am Schluss das Quentchen Glück haben.

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