BASKET

Das Kollektiv ist gefordert

Vor einigen Wochen war die Welt noch heil, für das Team USA. Die Basketballstars der NBA bereiteten sich auf die Weltmeisterschaft in Spanien und ihre damit verbundene „Mission Gold“ vor. Sie galten als klarer Top-Favorit, obwohl die gastgebenden Spanier mit dem besten Team der letzten Jahre – vielleicht sogar ihrer stärksten Auswahl aller Zeiten – auflaufen würden. Doch plötzlich wurde die Welt der Amis erschüttert und die Titel-Hoffnungen sind seitdem rapide gesunken …

Nicht nur in der Defensive, sondern auch im Angriff soll Anthony Davis das Team USA anführen.

Nicht nur in der Defensive, sondern auch im Angriff soll Anthony Davis das Team USA anführen.

George und Durant fehlen

Blake Griffin, der verletzungsbedingt auf seinen Start verzichtete, und Kevin Love, der wohl zu den Cavaliers wechseln und daher das Verletzungsrisiko so gering wie möglich halten wollte, hatten bereits zuvor abgesagt. Ihr Verzicht auf die WM sorgte für Enttäuschung beim Team USA und den Fans, doch Sorgenfalten zeichneten sich bei Headcoach Mike Krzyzewski nicht ab. Der Kader war immer noch stark besetzt und mit dem Duo Durant-George sollten die Ausfälle der Power Forwards verkraftbar sein. Dann kam das interne Duell des Teams und Paul Georges Horrorverletzung, es folgte Kevin Durants Absage aufgrund „mentaler und körperlicher Ermüdung“. Hinter den Kulissen war aber eindeutig zu vernehmen, dass die Oklahoma City Thunder ihren Superstar nicht zur WM fahren lassen wollten, weil sie ein selbiges Schicksal wie bei George befürchteten. Und die Absage Durants verändert alles!

„Wir haben das Team um Kevin aufgebaut“, sagte Mike Krzyzewski vor wenigen Tagen und ließ einen Einblick in seine Seele zu. Der Mann, der das Team USA auf seinen Schultern zum zweiten WM-Titel in Folge führen sollte; der Mann, der aktuell wohl der beste Scorer des Planeten ist; der Mann, der bereits 2010 Weltmeister und 2012 Olympiasieger wurde; der Mann, der 2013/14 MVP und Scoringchamp der NBA wurde; … dieser Mann fehlt nun und hinterlässt eine Lücke, die das Team kaum füllen kann. Oder vielleicht doch?

Einmalige Chance für Davis!

Der Ausfall Durants eröffnet völlig neue Möglichkeiten: Speziell Anthony Davis wird noch mehr in den Mittelpunkt rücken, wie bereits beim 95:78-Testspielerfolg gegen Brasilien. Der Power Forward avancierte mit 20 Punkten, acht Rebounds und fünf Blocks zum besten Akteur auf dem Court. Mehr als nur ein Fingerzeig: Der All Star sollte in Abwesenheit von Love und Griffin der „Man in the middle“ werden, doch nun scheint er noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Denn der 21-Jährige wird nach dem Brasilienspiel als neuer Anführer des Teams gehandelt. Für den 2,08-Meter-Mann bietet die WM eine einmalige Chance: In Abwesenheit der Superstars um LeBron James, Kevin Durant, Chris Paul, Carmelo Anthony, usw. kann sich der Big Man in den Fokus spielen und den Durchbruch zum Supertars schaffen – ganz so, wie es bei Durant 2010 der Fall war. „Ich fühle mich gut und bin bereit“, sagt Davis in Hinsicht auf die WM und Derrick Rose lobt: „Wir brauchen ihn so, wie er gegen Basilien gespielt hat. Er ist zwar etwas leichter als die meisten Big Man, aber er kann das kompensieren!“ Doch muss Davis überragende Leistungen abliefern, um die USA zum Titel zu führen? Es gibt noch einen anderen – besseren – Weg!

Können Mike Krzyzewski und sein Assistant Tom Thibodeau das Team zur starken Einheit formen?

Können Mike Krzyzewski und sein Assistant Tom Thibodeau das Team zur starken Einheit formen?

„Teamwork“ heißt das Zauberwort

Das Erfolgsrezept für das Team USA für die WM sollte in erster Linie „Teamwork“ lauten. Steph Curry, Anthony Davis, James Harden und Co. haben natürlich ihre Qualitäten und sind hervorragende Individualisten. Doch nicht zuletzt die San Antonio Spurs haben im Sommer gezeigt, was ein starkes Kollektiv bewirken kann. Und vom Kader her kann man die US-Boys durchaus mit dem frischgebackenen Meister aus Texas vergleichen. Egozocker sind im Roster rar gesät, jeder hat Allround-Qualitäten, aber es gibt auch Spezialisten. Nur diesen einen Mann, der die Auswahl allein durch ein Turnier tragen kann, den gibt es nicht.

Der Mann, der am meisten gefordert ist, heißt daher Mike Krzyzewski. Er muss es schaffen, das Team ohne überragende Superstars zu einer homogenen Einheit zu formen, der die Titelverteidigung glücken kann. Ob Anthony Davis dann der Tower der Mannschaft ist oder nicht, wird sich zeigen. Viel entscheidender für die USA ist jedoch, dass die Boys den Titel holen. Und das wird schwer.

Spanien nun Top-Favorit?

Denn wie bereits angesprochen treten die Spanier mit dem besten Kader letzter Jahre an: Pau Gasol, Marc Gasol, Serge Ibaka, Ricky Rubio, Jose Calderon und Juan Carlos Navarro sind nur ein paar Hochkaräter. Hinzukommt der Heimvorteil und der „Zorn“ des spanischen Publikums, das seine Mannen endlich gegen die Amis siegen sehen will. Nach den Absagen und Ausfällen steht auf jeden Fall fest, dass Spaniens Chancen selten so gut standen wie in diesem Sommer. Die Frage ist nur, was das Team USA im Köcher hat. Es wird spannnend, richtig spannend. Und das ist vor allem für uns Zuschauer gut!

Bilder: Getty Images

Eine ausgiebige Analyse zum Team USA und ihrer einmaligen Mission erfahrt ihr in der aktuellen BASKET 09-10/2014, die am 20. August in den Handel kommt.

Eine ausgiebige Analyse zum Team USA und ihrer einmaligen Mission findet ihr in der aktuellen BASKET 09-10/2014, die am 20. August in den Handel kommt.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Thank you
for sending!