BASKET

Bosh-Vertrag völlig überzogen!

„Vertan, sprach der Hahn und stieg von der Ente.“ Der Hahn, das ist in diesem Fall Pat Riley. Und die Ente, das ist in diesem Fall Chris Bosh. Keinen möchte ich beleidigen, aber die Rollen passen einfach! Denn die jüngste Aktion des General Managers war nicht wirklich ein Heldenstück. Was passiert ist? Die Miami Heat – federführend also Pat Riley – haben mit Chris Bosh verlängert und den Power Forward für die kommenden fünf Jahre an den Club gebunden.

Kritikpunkt? Pat Riley hat Chris Bosh für die nächsten fünf Jahre in Miami gehalten – und zahlt dafür 118 Mio. Dollar!

Kritikpunkt? Pat Riley hat Chris Bosh für die nächsten fünf Jahre an Miami gebunden – und zahlt dafür 118 Mio. Dollar!

Von wegen „gute Entscheidung“!

Bis zu diesem Punkt sind wir uns alle einig: eine gute Entscheidung. Bosh ist 30 Jahre alt, wird also noch fünf Jahre spielen können und kennt die Franchise. Seit dem Sommer 2010 trägt „CB1“ schon das Heat-Jersey und war an vier Finals-Teilnahmen sowie zwei Titeln beteiligt. Zudem ist der 2,11-Meter-Mann ein Teamplayer, der sich unterordnen und als Co-Star fungieren kann – ich betone „kann“. Unter Beweis gestellt hat er dies in den letzten Jahren, als er hinter LeBron James und zum Teil auch hinter Dwyane Wade die zweite beziehungsweise dritte Geige spielte.

Es gibt viele Kritiker, aber Skip Bayless ist wohl einer der größten Bosh-Kritiker. In diesem Video teilt der NBA-Experte dem Heat-Star mit, was er über ihn denkt. Ist zwar schon etwas älter, aber es zeigt, wie umstritten der Vierer ist!

Zahlen lügen nicht!

Fakt ist aber, und das wird nicht nur mich auf die Palme bringen, dass Chris Boshs Kontrakt 118 Millionen Dollar einbringt. 118 Millionen Dollar. Hallo? Seit der Number-4-Pick von 2003 in Miami aufläuft, sind seine Stats kontinuierlich gesunken:

2009/10:   24,0 PPS     10,8 REB      2,4 AS      51,8 % FG      36,4 % 3er      (Toronto)

2010/11:    18,7 PPS        8,3 REB      1,9 AS       49,6 % FG     24,0 % 3er      (Miami)

2011/12:    18,0 PPS        7,9 REB      1,8 AS       48,7 % FG     28,6 % 3er      (Miami)

2012/13:    16,6 PPS       6,8 REB      1,7 AS        53,5 % FG     28,4 % 3er      (Miami)

2013/14:    16,2 PPS       6,6 REB      1,1 AS        51,6 % FG      33,9 % 3er      (Miami)

Die besser werdenden Wurfquoten in Miami hat er in erster Linie James, Wade und Ray Allen zu verdanken. Andererseits fällt aber auch auf, dass die Quoten nicht besser sind als noch in seiner letzten Spielzeit für die Toronto Raptors 2009/10.

Warum also zahlt Pat Riley seinem Linkshänder so viel Geld? Gut, LeBron ist weg und die Heat brauchen einen neuen Offensiv-Anführer. Aber Chris Bosh ist nun wirklich nicht (mehr) die erste Option im Angriff. Und viel entscheidender: Er wird in drei oder vier Jahren – von fünf will ich erst gar nicht reden – ja nicht besser spielen. Im Gegenteil: Seine Stats werden spätestens nach den nächsten beiden Saisons weiter sinken und beweisen, dass er diesen luxuriösen Vertrag nicht zurückzahlen kann.

Chris Bosh soll in der Heat-Offense eine größere Rolle spielen.

Chris Bosh soll ab 2014/15 in der Heat-Offense eine größere Rolle spielen.

Akt der Verzweiflung!

Aufgrund dieser Tatsachen und Umstände wird deutlich: Boshs Monster-Vertrag gleicht einem Akt der Verzweiflung. Nachdem James zurück in seine Heimat ist und das Werben um Bosh immer intensiver wurde, musste Riley handeln. Andernfalls hätte der komplette Zerfall der Heat gedroht – wäre Bosh nach Houston gegangen, Ray Allen nach Cleveland, usw. Pat Riley stand also vor der Entscheidung: Rebuild oder Rettungsversuch? Der GM hat sich für die zweite Variante entschieden und Chris Bosh ein Angebot unterbreitet, das dieser nicht ablehnen konnte – und wollte.

Daher der Vergleich mit Hahn und Ente: Riley will unbedingt ein weiteres Ei (den Titel) und hat eine neue Henne gesucht, die sein Team an die Spitze führt und die Championship garantieren kann. Bosh allerdings wird dieser Spieler nicht sein (daher ist er die Ente).

In der kommenden Saison soll „CB1“ Stats und damit einhergehend Gründe liefern, dass er diesen Kontrakt auch Wert ist. Achso, er hat ja schon unterschrieben. Na, dann müsste er die Zahlen nur liefern, um Pat Rileys Entscheidung, dem neunmaligen All Star einen Super-Vertrag zu unterbreiten, zu bekräftigen und zu rechtfertigen. 25,0 Punkte, 10,5 Rebounds und mindestens 3,0 Assists sollte er schon liefern – und das wird er nicht schaffen. Schade, Pat. Du hättest genauer hinsehen sollen. Dann wäre dir aufgefallen, dass die Henne in Wahrheit eine Ente ist. Die Kohle hättest du in einen anderen Rachen schieben sollen!

Fotos: gettyimages

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