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BASKET

Der Fall „Donald Sterling“

Es ist ein Rückschlag und ein verdammt bitterer Moment für den Basketballsport. Nein, ich gehe noch einen Schritt weiter: Es ist ein ganz trauriger Augenblick für die gesamte Sportwelt. Ich meine natürlich die Situation bei den Los Angeles Clippers.

Wie ein Tsunami!

Als am Samstag das Klatschportal TMZ den Mitschnitt eines Telefonates zwischen Donald Sterling, seines Zeichens Clubbesitzer der Los Angeles Clippers, und dessen Freundin Vanessa Stiviano veröffentlichte, entwickelte sich ein regelrechter Tsunami. Die Playoffs, die in diesem Jahr so spannend und attraktiv wie schon lange nicht mehr sind, rückten von jetzt auf gleich in den Hintergrund. Plötzlich gab es nur noch ein Thema, das überall ganz oben stand, ausgelöst wegen Sterlings Bemerkung: „Du kannst mit Schwarzen schlafen, du kannst sie mitbringen, du kannst tun, was immer du willst. Das Wenige, was ich von dir verlange, ist, dass du das nicht öffentlich tust. Es stört mich wirklich sehr, dass du dich mit Schwarzen abgibst.“

Jeder unter euch wird nun sagen: „Bitte was?!“ Traurig aber wahr: Genau das hat der Club-Besitzer einer NBA-Franchise tatsächlich gesagt – wir gehen an dieser Stelle davon aus, dass dem so ist, auch wenn der letzte und endgültige Beweis, dass es Sterling ist, der in der Telefonleitung zu hören ist, noch aussteht. Unter aller Sau!

Zeit zu gehen: Nach seinen Bemerkungen muss Donald Sterling der NBA verwiesen werden!

Zeit zu gehen: Nach seinen Bemerkungen muss Clippers-Owner Donald Sterling der NBA verwiesen werden!

Ein Foto mit „Magic“!

Ausschlaggebend für die Äußerungen Sterlings war ein Foto Stivianos gewesen, das sie während einer Partie mit Earvin Magic Johnson zeigte. Ja, jene NBA-Legende und einem der besten Spieler aller Zeiten, mit dem wohl jeder gerne ein Foto machen würde. Daraufhin hatte sich ihr „Freund“ – jedem unter uns wird klar sein, welches Verhältnis zwischen Sterling und der relativ attraktiven Stiviano steckt – über das „Posieren“ mit einem Dunkelhäutigen beschwert.

Geht’s noch?! Wie beschämend ist das denn bitte?! Da sitzt ein selbstgefälliger alter Sack, der nicht weiß, wohin er seine Kohle stecken soll, am Telefonhörer und teilt seinem Bunny mit, dass der schwarze Mann böse ist? Was für eine Frechheit! Dass Magic eine der glorreichsten Personen der USA ist, klammer ich an dieser Stelle absichtlich aus, da es mir um den gesellschaftlichen und sozialen Aspekt geht … Das geht gar nicht!

Die Clippers-Spieler weigerten sich die Warmups mit dem Franchise-Namen zu tragen.

Die Clippers-Spieler weigerten sich im vierten Spiel gegen Golden State, die Warmups mit ihrem Franchise-Namen zu tragen.

Die Liga gibt Kontra!

Und das lässt ihn die NBA sofort spüren: „Ich werde nie wieder ein Clippers-Spiel besuchen, solange Sterling ihr Besitzer ist. Es tut mir leid für das Team, vor allem meine Freunde Doc Rivers und Chris Paul“, sagt Magic Johnson und fügt hinzu: „Wir sind alle schockiert. Wenn man so eine Haltung hat – warum besitzt er ein Team in einer Liga, deren Spieler zu 70 Prozent schwarz sind? Ich finde, er sollte zurücktreten.“ Auch Michael Jordan meldete sich zu Wort: „Ich bin einfach nur schockiert. Nicht nur in der NBA, sondern auf der gesamten Welt haben wir keinen Platz für Menschen, die so denken wie Mr. Sterling!“

Die Clippers selbst überlegten, ob sie das vierte Spiel gegen die Golden State Warriors wegen der Vorfälle absagen und boykottieren sollten. Sie entschieden sich trotzdem zu spielen – verloren übrigens deutlich mit 97:118. Vor dem Aufwärmen, als die Truppe das Feld betrat, zogen alle Spieler im Mittelkreis ihre Clippers-Warmups aus und machten sich ohne das Logo beziehungsweise den Schriftzug auf der Brust warm. „Das ist ein sehr ernstes Thema, das wir aggressiv angehen werden“, sagte Clippers-Star Chris Paul, Präsident der NBA-Spielergewerkschaft.

Beim Spiel der Trail Blazers gegen die Rockets in der jüngsten Nacht trugen einige Spieler schwarze Socken, um ein Statement Richtung Sterling zu schicken. LeBron James stellt klar: „In der NBA ist kein Platz für Donald Sterling.“ Dirk Nowitzki sagt, es sei sehr „enttäuschend“ und Kobe Bryant bezeichnet es als „verdammte Schande.“

US-Präsident Obama ließ mitteilen: „So etwas können wir nicht dulden. Wir haben innerhalb der Gesellschaft große Fortschritte in diesem Thema zu verzeichnen, aber so etwas zeigt, dass wir weiterhin daran arbeiten müssen.“

Vor Spielbeginn hatte das Team sich bereits ohne die Warmups aufgewärmt – aus Protest gegen ihren Owner.

Vor Spielbeginn hatte das Team sich bereits ohne die Warmups aufgewärmt – aus Protest gegen ihren Owner.

Kein Ausrutscher!

Zusätzlich traurig wird das Ganze, wenn man einen Blick zurück wirft. 2009 war es, als Donald Sterling rund 2,7 Millionen Dollar zahlte, weil er Hispanics, Schwarzen, Familien mit Kindern und Empfängern von Sozialleistungen keine Wohnungen vermieten wollte. „Schwarze Hausbewohner riechen und ziehen Ungeziefer an. Und ich vermiete nicht an Hispanics, weil sie nur rauchen, trinken und im Gebäude rumhängen“, hatte der Milliardär damals gesagt. Das zeigt: Das Telefonat ist kein Ausrutscher! Umso trauriger, dass ein solcher Mann eine NBA-Franchise besitzt und sich vermutlich auch noch als „Vater des Erfolg“ bei den Clippers schimpft, bei denen die Star-Player Paul und Griffin sowie der Star-Coach Doc Rivers allesamt schwarz sind!

Es erinnert doch alles sehr an die frühere Sklaven-Zeit. Als reiche Weiße sich die dunkelhäutigen Afrikaner ins Haus holten, um sie wie Tiere zu behandeln und als Arbeitskraft auf dem Hof, dem Feld oder im Haus einzusetzen. Diese Verhältnisse haben wir alle noch im Kopf und gelernt, damit umzugehen, so etwas nie wieder zuzulassen. Viele haben sich daraufhin geändert. Leute wie Sterling nicht …

Das muss geschehen!

Klar ist: Adam Silver, der neue Commissioner der NBA, hat seine erste ganz große Hürde zu bewältigen. Er muss nun eine Entscheidung treffen. Er steht ähnlich wie Julius Caesar früher in Roms Kolosseum vor der Welt – nicht nur vor der Basketballwelt, auch nicht nur vor der Sportwelt, sondern vor der gesamten Welt, der gesamten Bevölkerung – und muss eine Entscheidung treffen, ein Zeichen setzen. Daumen hoch: Sterling darf bleiben, die Clippers weiterhin besitzen und muss vielleicht erneut eine Strafe zahlen – diese Option nicht geben! Es kann nur eines folgen: Daumen runter! Sterling muss die Clippers abgeben, die NBA verlassen, von der Bildfläche verschwinden.

Es gibt diese Menschen, die so denken, und es wird sie – leider! – auch immer geben. Um so wichtiger ist es, das Zeichen an die Gesellschaft zu geben, ohne „Wenn“ und „Aber“. Solche Menschen brauchen wir nicht – weder im Sport noch auf dieser Welt.

Henning Kuhl