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BASKET

„76ers-Style“: Auf der Jagd nach dem ersten Pick

BASKET-Kommentar: Immer diese Diskussionen, wer die Gewinner der laufenden Kampagne sind. Da wären die Blazers und Suns, Toronto, Washington und Charlotte, die Rockets und Clippers, die Sixers….Ja, richtig! Die Sixers. Die Franchise, die in dieser Saison ihren Club-Rekord für die meisten Niederlagen in Folge aufgestellt hat und kurz davor ist, sogar die „NBA-Bestmarke“ von 26 aufeinander folgenden Niederlagen – aufgestellt von den Cleveland Cavaliers in der Spielzeit 2010/11 – zu egalisieren. Die Franchise, die nur eines ihrer letzten 25 Spiele gewann. Ja, genau von diesen 76ers rede ich. Viele werden sich fragen, wie das zweitschlechteste Team der Liga (Bilanz:15-55) zu einem der Gewinner der momentanen Spielzeit zählen kann. Nun ja, der Grund ist der Draft 2014!

Alles für die Zukunft!

Andrew Wiggins, Jabari Parker, Joel Embiid, Dante Exum, Julius Randle, Tyler Ennis, um nur ein paar Namen zu nennen. Für viele der stärkste Jahrgang an Neulingen seit dem Jahr 2003. Zur Erinnerung: Damals kamen Größen wie LeBron James, Dwyane Wade, Carmelo Anthony und Chris Bosh in die Liga. Nicht zu vergessen: Die serbische „Sensation“ Darko Milicic, die an zweiter Stelle gepickt wurde! Aber das wiederum ist eine andere Geschichte…

Für Headcoach Brett Brown und Rookie Michael Carter-Williams läuft alles nach Plan.

Für Headcoach Brett Brown und Rookie Michael Carter-Williams läuft alles nach Plan.

Mannschaften ohne Playoff-Ambitionen reißen sich um einen der vordersten Picks, und damit um die Chance, einen Andrew Wiggins oder Jabari Parker zu verpflichten. Mittendrin natürlich, wer sonst, Philadelphia. Und um der Losertruppe mal ein Kompliment zu machen: Sie sind auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Über die Art und Weise, wie sie an diesen Nummer-Eins-Pick kommen wollen, lässt sich allerdings streiten

Tanking, Tanking, Tanking!

Viele Leute mögen zwar dagegen sein, dass man eine komplette Saison in den Sand setzt, doch ich befürworte dieses „Konzept“. Wenn man darüber nachdenkt: Was gibt es Schlimmeres als schlecht zu sein? Genau, auf Dauer im Mittelmaß zu stecken! Man hat keine realistischen Chancen auf die Playoffs, mal ganz zu schweigen von der Meisterschaft, aber man ist trotzdem noch zu gut, um sich via hohem Draftpick zu verstärken. In dieser Situation stellt man sich die Frage: Was ist am einfachsten und was ist der schnellste Ausweg, um in Zukunft wieder für Furore zu sorgen? Sei es durch den Draft zu rebuilden oder alles auf die Free Agency zu setzen und zu hoffen, dass man sich einen großen Fisch angeln kann, der dich ins gelobte Land führen soll. Man muss dabei auch den finanziellen Aspekt berücksichtigen. Für das Geld, das man einem Star zahlt, kann man sich vier Top-Picks leisten! Die Antwort lautet für mich, ganz klar: Eine Saison wegwerfen und per Draft neue, junge und vielversprechende Talente zu günstigen Konditionen an Bord zu holen, ist der perfekte Weg, um neu anzufangen. Doch die Philadelphia 76ers definieren „Saison wegwerfen“ neu!

"Mach langsamer, Tony. Wir gewinnen sonst noch!" Brown gibt Tony Wroten Anweisungen.

„Mach langsamer, Tony. Wir gewinnen sonst noch!“ Brown gibt Tony Wroten Anweisungen.

Hier ein kurzer Rückblick über den genialen Plan der Truppe aus der „City of brotherly love“:

  1. Der Holiday/Noel-Trade: Die Sixers erkannten, dass Jrue Holiday nicht der Spieler ist, den sie sich als Franchise-Player vorgestellt hatten und schickten ihn am Abend des Drafts für Nerlens Noel und einen gesicherten Top-5-Pick nach New Orleans. Die Tatsache, dass Noel sich von seinem Kreuzbandriss erholen musste und frühestens im Dezember einsatzbereit gewesen wäre, nutzte Philly, indem man den sechsten Pick die ganze Saison über auf die Verletztenliste setzte. Das Motto: Bloß keinen Spieler spielen lassen, der die Chancen auf einen hohen Pick im Sommer 2014 gefährden könnte…
  2. Der Turner/Granger-Trade: Kurz vor der Trade-Deadline entschloss sich Philly dazu, seinen Go-to-Guy Evan Turner nach Indiana zu verfrachten. Im Tausch erhielten sie Danny Granger, der überhaupt keine Intentionen hatte, für die Losertruppe zu spielen und umgehend aus seinem Vertrag gekauft werden wollte. Die Sixers taten ihm diesen Gefallen und ließen den Small Foward gehen. Somit hatten sie den Pacers ihren besten Spieler quasi geschenkt…
  3. Gescheiterten Draftpicks und D-League-Spielern viele Minuten geben: Die 76ers sind ein NBA-Team, das im Grunde genommen keines ist. Wenn man sich den Roster der Franchise anschaut, kommen einem nur wenige Namen bekannt vor. Das liegt daran, dass – abgesehen von Michael Carter-Williams, Thaddeus Young, Jason Richardson und Nerlens Noel – der Rest aus Unbekannten besteht, die entweder aus der D-League kommen oder der zwölfte Mann bei irgendeinem anderen Team waren. Gibt man solchen Leuten viel Spielzeit, nimmt man automatisch Kurs auf einen hohen Draftpick…
  4. Byron Mullins: Der „Least Valuable Player“ der vorletzten Spielzeit – laut Bill Simmons – ist die entscheidende Komponente. Er war der Go-to-Guy der 2011/12 Charlotte Bobcats:  Bilanz (7-59) und der zweite Pick im Draft waren die Folge. Weder verteidigt oder reboundet er, noch stellt er für den Gegner offensiv eine Bedrohung dar. Genau das brauchen die Sixers…

 

Symbolisch für das Tanking der 76ers: Byron Mullens.

Symbolisch für das Tanking der 76ers: Byron Mullens.

So weit so gut. Doch was ist mit den Fans? Angesichts der momentanen Leistungen der 76ers ist es ein Wunder, dass die Franchise nicht mehrere Klagen wegen Augenkrebs an der Backe hat. Trotzdem denken sie nicht einmal daran, ihren Anhängern, die den vollen Preis für eine weggeworfene Saison bezahlen müssen, für die kommende Spielzeit einen Rabatt zu geben. NEIN! Stattdessen locken sie die Anhänger damit, ein Foto vor dem Banner des verewigten Jerseys von Club-Legende Allen Iverson, machen zu können, das von „AI“ „persönlich“ unterschrieben wird. Nicht zu vergessen: die Big-Mac-Aktion! Bei einem Heimspiel gegen die Sacramento Kings versprachen die Sixers jedem Zuschauer einen Gratis-Big-Mac, wenn ihre Sixers 100 Punkte oder mehr erzielen. Philly kam am Ende auf 98 Zähler und verlor mit 98:115. Weiter so Philly!

Doch egal, was man von den Sixers hält, eines haben sie geschafft: Die Basketballwelt redet über sie. Und die Fans können noch so verärgert sein – Wenn nächstes Jahr ein Andrew Wiggins, Jabari Parker oder Joel Embiid zusammen mit Michael Carter-Williams und Nerlens Noel auf dem Parkett des Wells Fargo Center steht, hat Philly eines der aufregendsten jungen Teams der Liga und all das Leid und die Schmach der jetzigen Spielzeit gehört der Vergangenheit an.Wenn…

Kommentar: Axel Schleutermann

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