BASKET

Dallas: Pech im Spiel, Glück im Draft?

Dirk Nowitzki postete voller Enttäuschung und mit einer Portion Sarkasmus nur die folgenden zwei Worte auf seinem Twitter Account: „of course“.
Natürlich hatten die Mavericks wieder mal kein Losglück, genau wie bei all den anderen zwölf Lotterieteilnahmen zwischen 1990 und 2018, in denen Dallas nie höher draften durfte als es der Wahrscheinlichkeit entsprach. Da verlieren die Mavs auf Anweisung ihres Besitzers Mark Cuban eine ganze Saison absichtlich, um am Ende in der diesjährigen NBA Draft am 21. Juni in Brooklyn mal endlich ganz vorne dabei zu sein und dann springt am Ende „nur“ der fünfte Pick dabei heraus. Zu 13,8% bestand die Chance auf die Nummer eins. Doch wieder einmal sprang der sprichwörtliche Pingpong-Ball mit dem Mavericks-Logo zu spät aus der Röhre.

Obwohl die fünfte Position offensichtlich nicht optimal ist, wäre ich aus Sicht der Mavericks nicht allzu enttäuscht. Würden wir die NBA Draft 2017 heute noch mal wiederholen dürfen, sähen die Top 5 anders aus als Markelle Fultz, Lonzo Ball, Jayson Tatum, Josh Jackson und De’Aaron Fox. Jayson Tatum ist offensichtlich ein Biest bei den Boston Celtics und völlig berechtigt von den Celtics an Nummer 3 gewählt worden, aber Fultz, Ball, Jackson und Fox hätten mit dem, was wir heute wissen, genauso gut durch Donovan Mitchell (Nummer 13), Lauri Markkanen (Nummer 7), Kyle Kuzma (Nummer 27) oder Dennis Smith Jr. (Nummer 10) ersetzt werden können.

Eins ist schon mal klar. In der NBA Draft 2018 gibt es keinen Überflieger wie LeBron James oder Anthony Davis, bei denen man sofort wusste, dass sie Superstars in der NBA werden würden. Also werfen wir mal einen Blick auf die diesjährige Draft aus Sicht der Mavericks…
Die vier Namen, die Commissioner Adam Silver voraussichtlich zuerst verkünden wird, sind DeAndre Ayton (Univerity of Arizona), Luca Doncic (Real Madrid), Marvin Bagley (Duke University), Jaren Jackson Jr. (Michigan State University).

Wenn aus irgendeinem Grund einer dieser Spieler an Position 5 noch zu haben ist, dann müssen die Mavericks zuschlagen. Jeder dieser Spieler ist allerdings erst 19 Jahre alt. Da darf man eh keine Wunderdinge erwarten. Jeder einzelne von ihnen hat Schwächen. Ayton ist ein unglaublicher Athlet, aber nicht immer der Motivierteste und derzeit noch nicht gut unter Druck. Doncic ist mit Sicherheit der kompletteste Basketballer dieser Draft, aber hinter seiner NBA-Athletik steht ein Fragezeichen. Bagley ist enorm explosiv, aber körperlich muss er noch deutlich zulegen. Defensiv hat er enorme Defizite. Jackson Jr. spielt mit viel Energie, aber auch etwas hektisch, und sein Wurf ist technisch nicht einwandfrei.

Mohamed Bamba (University of Texas) könnte durchaus in Dallas landen. Ein Center mit enormen defensiven Qualitäten. Einige vergleichen ihn mit Utahs Rudy Gobert, da er auch ein gutes Näschen für Offensiv-Rebounds hat, aber dafür vermisse ich etwas die Explosivität.
Die Mavericks könnten ein wenig zocken und den Forward Michael Porter Jr. (University of Missouri) nehmen. Hätte Porter Jr. nicht kürzlich erst eine Rückenoperation hinter sich, wäre er bestimmt ein Kandidat für die Top 4 gewesen. Wer mit 19 schon so kaputt ist, birgt ein Risiko. Ein gesunder Porter Jr. wäre allerdings eine echte Verstärkung für die Mavs. Die Verantwortlichen werden ihn beim Probetraining auf Herz und Niere prüfen und einen intensiven medizinischen Check fordern.

Trae Young (Oklahoma University) wird von vielen Experten als eine Miniversion von Steph Curry bezeichnet. Das halte ich für übertrieben. Young konnte im College zwar fast nach Belieben punkten, aber er ist an seinem besten Tag morgens nach dem Aufstehen nicht mehr als 1,86 Meter groß und hat kurze Arme wie ein Krokodil. Da wird der Guard es in der NBA sicher schwerer haben als an der Uni. Ihm fehlt auch etwas die Athletik. Doch ein Backcourt mit Dennis Smith Jr. und ihm wäre trotzdem spannend. Denn auch einem Steph Curry wurde damals prognostiziert, dass er sich wegen seiner mangelnden Athletik in der NBA nicht durchsetzen könne. Falsch!

Colin Sexton (University of Alabama) war MVP der U17 Weltmeisterschaft 2016. Ein extrem explosiver Spieler. Ähnlich wie Young ist auch er ein Point Guard und nur um die 1,87 Meter lang. Zumindest hat er lange Arme und auch sonst alle Werkzeuge, um ein Großer zu werden. Noch hat er nicht gelernt, seine Mitspieler besser zu machen, aber das kann ja noch kommen. Gerne wird Sexton mit Eric Bledsoe verglichen.
Power Forward/Center Wendell Carter Jr. (Duke University) könnte auch noch für Dallas infrage kommen. Kraftvoll, guter Rebounder, ein harter Arbeiter und hat ein gutes Ballgefühl für einen Mann seiner Länge. Ist meines Erachtens eher ein allerdings ein unterdurchschnittlich großer Center als eine Position 4 in der NBA, da ihm etwas die laterale Beweglichkeit fehlt.

Die sportliche Führung der Mavericks wird sich viele Stunden Videomaterial aller infrage kommenden Spieler anschauen und diverse von ihnen nach Dallas zum Probetraining einladen. Bis zur Draft kann sich noch einiges ändern. Eine Verstärkung wird der Top 5 Pick auf jeden Fall sein. Ich wünsche Dirk und allen Mavericks Fans, dass es vielleicht sogar ein Franchise Player wird.

Der Autor:
Dean Walle ist Basketball-Journalist in den USA und schreibt direkt aus den Staaten für BASKET. Mit spitzer Feder und sportlichem Sachverstand nimmt er die Geschehnisse der besten Basketball-Liga der Welt in seiner neuen BASKET-Kolumne unter die Lupe.

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