BASKET

Quo Vadis, LeBron?

LeBron James wird wahrscheinlich auch dieses Jahr nicht zum MVP gewählt, aber er ist immer noch der beste Spieler der Welt; und das schon seit vielen Jahren.

Nach einer wieder einmal turbulenten Saison in Cleveland ist es nur schwer vorstellbar, dass der 33-Jährige Superstar in der nächsten Spielzeit wieder das Trikot der Cavaliers tragen wird. NBA Champion werden die Cavs diese Saison nicht. Da lege ich mich nach den bisher gezeigten Leistungen des Teams in den Playoffs fest. Trotz der Verjüngungskur vor der Trade Deadline im Februar diesen Jahres hat sich das Team nicht so verbessert wie erhofft. Es fehlt einfach ein weiterer Superstar an LeBrons Seite, aber einen Spieler solchen Formats im Juli nach Cleveland zu lotsen, käme einem Wunder gleich. GM Coby Altman wird natürlich alles versuchen, aber zaubern kann auch er nicht. Die Cavs liegen weit über dem Salary Cap, und der einzige Spieler mit etwas Trade Value ist der oft verletzte Kevin Love. Sollte LeBron seiner Heimat noch einmal den Rücken kehren und wenn ja, wohin sollte er gehen?

Die offensichtliche Topadresse ist Houston. Rockets GM Darryl Morey müsste zwar einen Hasen aus dem Hut zaubern, um James Harden, Chris Paul und LeBron in Verbindung mit den anderen Spielern mit den Restriktionen des Salary Cap zu vereinbaren, aber wenn es einer schafft, dann Morey. Ein Zahlenakrobat vor dem Herrn, der mit allen Wassern gewaschen ist. LeBrons alter Banana Boat Kollege CP3 würde sich freuen. Schon jetzt sind die Texaner ganz nah an den Golden State Warriors dran. Mit LeBron im Team bestünde kein Zweifel, dass die Rockets Titelfavorit wären.

Eine weitere Option wären die Philadelphia 76ers. Die jungen Burschen spielen schon jetzt überraschend gute Playoffs. Mit Joel Embiid haben die Sixers einen der Top 3 Center der NBA in ihren Reihen. Der 23-Jährige würde mit LeBron an seiner Seite noch mal einen Schritt nach Vorne machen können. Ben Simmons entwickelt sich ebenfalls prächtig. Sein Agent, Rich Paul, ist ganz zufällig auch LeBrons Agent. Sehr praktisch. Die finanziellen Mittel hätte Philadelphia auch. Die Frage, die sich LeBron stellen wird, lautet? Wie lange dauert es, bis ich mit den Jungspunden ein ernsthafter Titelaspirant werden kann?

Als Dark Horse dürften die Los Angeles Lakers gelten. In LA zählen nur Titel und Stars. LeBron ist der Megastar, den eine Stadt wie Los Angeles braucht. Sollten Magic Johnson und GM Rob Pelinka einen Weg finden, Luol Deng von der Pay Roll zu bekommen, dann wäre der Weg frei, um LeBron und einen weiteren Superstar, wie zum Beispiel Paul George zu verpflichten. Das Bauernopfer wäre Julius Randle. Der Forward hat sich super entwickelt, aber sollten LeBron und PG-13 bereit sein, nach Los Angeles zu kommen, dann wäre nicht mehr genug Geld da, um Randle zu halten.

Eine weitere Variante gäbe es auch noch für LeBron und die Lakeshow: LeBron hätte sicherlich gerne einen Two-Way-Player wie Kahwi Leonard an seiner Seite. Doch der Preis für LA wäre hoch. Vielleicht zu hoch. Denn anders als PG-13 ist Kahwi am Ende der Saison kein Free Agent. Ein weiteres Jahr läuft der aktuelle Vertrag des 26-Jährigen bei den San Antonio Spurs noch. Um den unzufriedenen NBA Finals MVP von 2014 von den Spurs loszueisen, müssten die Lakers einen großen Teil ihrer Zukunft abgeben. Neben Draft Picks werden Namen wie Lonzo Ball, Josh Hart, Brandon Ingram und Kyle Kuzma kolportiert. Ob einer, zwei oder drei von ihnen im Gespräch sind, ist noch unklar. Außerdem werden Stimmen laut, die behaupten, Coach Gregg Popovich möchte keinen Gegner aus der Western Conference stärken. Es ist also unwahrscheinlich, dass Kahwi bereits im Sommer 2018 bei den Lakers landet. Eher würde es Sinn machen, den Guard als Free Agent ein Jahr später zu verpflichten.

Sollte LeBron bei den Rockets anheuern, wäre es kurzfristig sportlich die beste Entscheidung. Viele gestandene Spieler im besten Alter, die alle heiß sind auf den Titel.

Bei den Sixers könnte LeBron für den Rest seiner Karriere jedes Jahr um Titel mitspielen, und im fortgeschrittenen Basketballalter müsste er das Team nicht mehr alleine tragen, da Ben Simmons und Joel Embiid in den nächsten Jahren immer mehr zu absoluten Superstars reifen werden.
In Los Angeles hätte LeBron die Möglichkeit, seine Karriere nach dem Basketball zu planen. Schon jetzt besitzt er ein Haus im Stadtteil Brentwood und leitet die Filmproduktionsfirma SpringHill Entertainment. Wie mir LeBrons Agent, Rich Paul, vor nicht allzu langer Zeit mitteilte, macht sein Schützling die Entscheidung, wo er spielen wird, davon abhängig, wo sich die Marke LeBron am besten entwickeln kann. Dafür gäbe es meiner Meinung nach keinen besseren Ort als Los Angeles.

Ab 1. Juli ist LeBron Free Agent. Lassen wir uns überraschen, wie sich „The Chosen One“ entscheidet.

Der Autor:
Dean Walle ist Basketball-Journalist in den USA und schreibt direkt aus den Staaten für BASKET. Mit spitzer Feder und sportlichem Sachverstand nimmt er die Geschehnisse der besten Basketball-Liga der Welt in seiner neuen BASKET-Kolumne unter die Lupe.

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