BASKET

Die Milwaukee Bucks

Die Milwaukee Bucks entwickeln sich langsam, aber stetig. Mit Giannis Antetokounmpo hat Coach Jason Kidd einen Ausnahmespieler in seinen Reihen. Doch nur wenn alle Rädchen ineinander­greifen, kann das Small-Market-Team aus Wisconsin im Osten die große Konkurrenz aus Cleveland und Boston attackieren. BASKET hat sich ausführlich mit der Taktik der Bucks auseinandergesetzt und erklärt, was Milwaukee noch verbessern muss.

ls die Milwaukee Bucks letztmalig den Einzug in die zweite Playoff-Runde schafften, schrieben wir das Jahr 2001. Damals scheiterte die Franchise aus Wisconsin erst im siebten Spiel der Conference Finals an Allen Iverson und seinen Philadelphia 76ers. Die Helden der Bucks hörten damals auf die Namen Ray Allen, Glenn „Big Dog“ Robinson und Sam Cassell. Doch dieser Erfolg ist lange her und verblasst allmählich. Es wird also Zeit, dass in Milwaukee erneut Geschichte geschrieben wird. Es ist kein Geheim­nis, dass die Hoffnungen auf Erfolg bei den Bucks auf Giannis Antetokounmpo ru­hen. Doch ebenso wichtig wie eine­ gute Performance des „Greek Freak“, der in der vergangenen Spielzeit mit 26,1 das zehntbeste­ Player Efficiency Rating der gesam­ten NBA vorzuweisen hatte und verdientermaßen als Starter fürs All-Star-Game nominiert wurde, ist das taktische Grundkonzept der Bucks. Seit dem Amtsantritt von Headcoach Jason Kidd ging es immer wieder auf und ab. Nach drei Spielzeiten als Hauptverantwortlicher ist die Bilanz des ehemaligen Point Guards­ von Weltklasse-Format mit 116 Siegen und 130 Niederlagen sogar negativ.

Die Frage lautet also: Was läuft gut bei den Bucks, und was muss sich verbessern? Die Wurfauswahl ist nicht das Problem. Mit 47,4 % konnte das Small-Market-Team in der vergangenen Spielzeit die viertbeste Feldwurfquote vorweisen. Auffällig ist jedoch, dass in erster Linie auf Abschlüsse innerhalb der Zone gesetzt wird (NBA-Rang 3). Dies ändert sich seit der Rückkehr von Khris Middleton nach überstandener Verletzung allmählich. Ohne den exzellenten Distanzschützen brachte Milwaukee es zuletzt nur auf 23,7 Dreier­versuche (NBA-Rang 24) pro Partie­. Verglichen mit den Houston Rockets, die unglaubliche 40,3 Würfe pro Spiel von Downtown nahmen, ist dies in der moder­nen NBA kein besonders hoher Wert. Middletons Karriereschnitt liegt bei 3,6 Dreierversuchen pro Partie. Bei seiner konstanten Trefferquote von über 40 % wäre es ein taktisch probates Mittel, noch mehr Systeme für den Shooter laufen zu lassen. Allerdings ist die grundlegende Dreierschwäche auch durch Khris Middletons Rückkehr nicht behoben. Gerade­ in der Crunchtime haben die Bucks eine katastrophale Dreier-Quote. In Clutch-Situationen fällt der Threeball nur zu 21,9 %. Nach Spielern aufgeteilt gestaltet sich die Dreier-Misere­ wie folgt: 25 % Giannis Anteto­kounmpo, 20 % Khris Middleton, 20 % Matthew Dellavedova, 0 % Mirza­ Teletovic. Dass die drei letztgenannten Bucks-Akteure, die allesamt bessere Dreierschützen als der in dieser Kategorie eher schwache Giannis sind, in dieser Kategorie hinter ihm stehen, lässt auf mentale Probleme schließen. Hier ist der Trainer als Psychologe gefragt.

Fokus auf Giannis Antetokounmpo

Ein weiterer Ansatzpunkt für den Jason Kidd ist das Ball-Movement. Zwar wird der regelmäßige Beobachter der Bucks-Spiele sagen, dass die „Isolation“ bei anderen Teams deutlich stärker ausgeprägt ist, doch auch dann wird man sicherlich zum Ergebnis kommen, dass die Fixierung auf den Superstar Anteto­kounmpo enorm groß ist. Die Kluft zwischen den 81,8 Touches des Griechen pro Spiel und den 64,9 von Jabari Parker ist extrem groß. Ein solch großer Abstand zwischen der ersten und der zweiten Scoring-Option ist nicht optimal und macht die Milwaukee Bucks ein Stück weit ausrechenbar. Doch Teil der Wahrheit ist auch, dass die Gegner oft wissen, was Antetokounmpo vorhat, und trotzdem nichts gegen seine Urgewalt ausrichten können. Außerdem ist Giannis ein exzellenter Passer, und ein besagter Touch ist bei ihm keinesfalls mit einer egoistischen Wurf-Aktion gleichzusetzen. Die Nummer 34 stellt sich nämlich immer in den Dienst der Mannschaft, auch wenn dafür­ eine­ Einzelaktion nötig ist. Mit Anlauf,­ großen Schritten und seinen gefürchteten Spin-Moves fegt er durch die Defense der bemitleidenswerten Gegner.

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Markus Unckrich

 

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