BASKET

James: „Die Situation von KD war anders“

Nach der Niederlage in Spiel drei der NBA-Finals, stand LeBron James den Reportern Rede und Antwort. LeBron sieht keine Parallelen zwischen ihm und Kevin Durant und äußert seine Meinung zum Superteam der Warriors. Dies und was LeBron sonst noch zu sagen hat erfahrt ihr jetzt.

Ihr liegt jetzt 3:0 zurück, welche Botschaft versuchst du deinen Teamkameraden in dieser Situation zu vermitteln?

Das ist natürlich eine dramatische Situation in der wir uns befinden. Aber so ist es nunmal. Wir müssen uns auf Spiel vier konzentrieren. Morgen werden wir einige Tapes analysieren und schauen, wo wir uns verbessern können. Wir werden von Spiel zu Spiel schauen und tun, was zu tun ist.

Ihr wart bei drei Minuten Restspielzeit im vierten Viertel noch mit sechs Punkten vorne, was kannst du zu den letzten Minuten des Spiels sagen?

Sie haben getroffen und wir nicht. Wir hatten einige sehr gute offene Würfe. Ich hatte einen Turnaround-Fadeaway-Jumper, der nicht reingegangen ist, Kyle Korver hatte einen offenen Dreier aus der Ecke, der nicht reingegangen ist. Steph hingegen hat einen Tip-In gemacht, KD traf einen Pull-Up gegen Tristan und hat dann anschließend eine Bombe in Transition versenkt. Es ist eine „Miss or Make“-Liga, hätten wir unsere Würfe getroffen und sie ihre verfehlt, wäre es anders gelaufen, aber so war es nunmal nicht.

Letztes Jahr habt ihr etwas geschafft, dass bis dahin als unmöglich galt. Gibt euch das Selbstvertrauen, es dieses Jahr wieder schaffen zu können? Viele Leute werden wieder sagen, dass es unmöglich ist.

Natürlich. Wie ihr wisst, gebe ich nicht viel darauf, was andere sagen. Sobald ich zu Hause bin, werde ich mit meiner Regenerationsbehandlung beginnen um mental und körperlich fit für Spiel vier zu sein. Alles andere interessiert mich nicht.

Die Warriors haben deinem und Irvings Offensivhagel aus Spiel drei standgehalten, in Spiel zwei hatten sie 20 Turnover und konnten trotzdem noch gewinnen. Was ist deine Eischätzung zu diesem Team?

Direkt nach dem Sieg der Conference-Finals wussten wir, wir werden jetzt auf einen “Juggernaut“ (deutsch: sinngemäß „unaufhaltsame Macht“) treffen. Das ist wahrscheinlich die größte Firepower, der ich in meiner Karriere begegnet bin. Ich habe schon gegen einige großartige Teams gespielt, doch keines hatte eine derartige offensive Firepower, wie sie. Gegen solch ein Team musst du dein A++ Game auflegen. Denn sie werden mit einigen sehr guten Plays aufwarten. Wir hatten heute die Chance zu gewinnen, wir hatten viele gute Plays, aber sie hatten einfach ein paar mehr.

LeBron sprach bei der Pressekonferenz nach Spiel drei Klartext (Foto: Getty Images)

Du hast selbst einige Male das Team gewechselt und weisst, wie schwierig es ist und wie lange es dauern kann bis man erfolgreich ist. Freust du dich für KD, der sich sehr schnell eingefunden hat und so schnell Erfolg gehabt hat?

Ich bin immer sehr stolz auf KD gewesen, bei all dem Erfolg, den er in seiner Karriere hatte. Es ist toll zu sehen, zu was für einem Spieler er sich entwickelt hat. Ich denke, dass man unsere Wechsel nicht miteinander vergleichen kann, ihr Team war schon vollständig und man hat einfach ein weiteres Puzzelteil hinzugefügt. Das Team hatte bereits eine Identität, er kam hinzu und wusste genau, was von ihm erwartete wird und wie seine Rolle aussieht. Als ich zu Miami ging, mussten wir etwas Neues aufbauen. Wir hatten acht oder neun neue Spieler, mit denen wir etwas entwickeln mussten. Und als ich nach Cleveland zurückgekehrt bin, war es das Gleiche. Aber ich wertschätze KD sehr dafür, dass er Opfer gebracht hat, um ins Team zu passen. Er hat sein Spiel umgestellt, er verzichtet auf den einen oder anderen Wurf, verzichtet darauf die ganze Zeit den Ball in seinen Händen zu halten und priorisiert den Teamerfolg, nicht sein Ego.

Jetzt wo du drei Spiele gegen die Golden State Warriors gespielt hast, was kannst du über sie sagen? Hattest du mit genau solch einer Herausforderung gerechnet oder waren sie doch anders als erwartet?

Wir wussten, dass es hart werden würde. Ich habe viel Videomaterial von ihnen gesehen. Ich wusste, das wird eine der größten Herausforderungen meiner Karriere. Einmal wegen ihrer Firepower und vor allem auch wegen ihres Mindsets. Wir wussten, sie würden nach letztem Jahr extra hungrig in die Serie gehen. Außerdem haben sie sehr viel Talent im Kader, und wenn Talent auf Selbstlosigkeit und gute Teamchemie trifft, passieren gute Dinge. Und das konnte ich in der Videoanalyse vor der Serie sehen, ebenso in der Serie selbst.

In der Posession nach KDs Dreier, als Kyrie den Jumper verfehlt hat, ist sehr viel Zeit von der Uhr verstrichen. War das der Wurf den ihr wolltet?

Kyrie ist ein überragender Spieler im „Eins-gegen-eins“ und darauf haben wir gesetzt. Kyrie selbst hat sich lange nach dem Spiel noch Gedanken über seinen Fehlwurf gemacht, aber wie ich bereits sagte, es ist eine „Miss or Make“ Liga und er hat alles gegeben. Nachdem man den Wurf verfehlt, lässt es sich immer leicht sagen, das man eine bessere Posession hätte haben können. Aber wir können sehr gut damit leben, wenn unser Star-Point-Guard einen Wurf nimmt, von dem wir wissen, dass er in treffen kann. Dieses Mal ging er daneben.

Die Plus-Minus-Bilanz der Cavs gestern Nacht mit dir auf dem Court unterscheidet sich stark von der, wenn du nicht auf dem Court stehst. Dies spiegelt genau das wieder, was wir über die gesamte Saison und in den Playoffs beobachten konnten. Was könnt ihr machen, damit ihr weiterhin solide performt, wenn du auf der Bank sitzt?

Ich weiss es nicht. Ich habe bis heute keine Antwort auf diese Frage. Wir sind einfach nicht in der Lage dazu, die Führungen zu halten, wenn ich nicht auf dem Feld stehe. Ich hasse es für meine Teammates, ich hasse es für mich, ich hasse es für alle Beteiligten. Gestern Nacht war es wieder so, es waren noch 1:43 Minuten im ersten Viertel zu spielen, wir führten 31:29, und als ich auf der Bank saß, haben wir umgehend einen 10:0-Lauf kassiert. Gegen solch ein Team kann man sich diese Runs nicht erlauben. Wir müssen als Kollektiv einfach besser werden, egal wer auf dem Court steht, jeder muss einen besseren Job machen.

Damals musste man seinen kompletten Roster aufgeben, um einen Spieler von deinem oder KDs Kaliber zu holen. Heute können etablierte Championship-Teams einen Spieler wie Kevin Durant hinzufügen. Ist das gut oder schlecht für die Liga? Und ist es deiner Meinung nach noch fair?

Die Frage, ob es fair ist oder nicht, interessiert mich nicht. Es ist alles innerhalb des erlaubten Reglements. Und ich denke, es ist großartig für die Liga. Schaut euch die Einschaltquoten an, schaut euch an wie viel Geld unsere Liga mit TV-Verträgen verdient. Die Fans lieben unsere Liga. Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, ob es fair ist oder nicht, dass ein Team versucht sich zu verbessern. So ist das nunmal im Sport, wenn du die Möglichkeit hast einen der besten Spieler unter Vertrag zu nehmen, dann machst du das. Wenn ich Teambesitzer bin, werde ich auch versuchen jeden zu signen.

Florian Digiovinazzo

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