BASKET

Das Reizthema Triple-Double

Nie gab es mehr Triple-Double, und nie schien die Fixierung auf diese Statline größer zu sein als in dieser Saison. Westbrook und Harden erzielen sie in Serie und schrecken auch vor Turnovern nicht zurück. In den Playoffs geht es aber nicht um individuelle Stats, sondern nur ums Gewinnen. Müssen die Superstar jetzt umdenken?

Am 26. Februar konnte der aufmerksame Beobachter viel darüber lernen, welchen Wert Statistiken für einen- NBA-Profi haben: Das Spiel zwischen den Chicago Bulls und den Cleveland Cavaliers ist längst entschieden, aber dennoch hat die letzte Szene des Spiels etwas Skurriles: Der finale Wurf des Spiels prallt genau zu Dwyane Wade, dem exakt noch ein Board zu einem Triple-Double (TD) fehlt, doch dann stört plötzlich der eigene Mitspieler Cristiano Felicio den dreimaligen NBA-Champion und verhindert so dessen sicher geglaubtes TD. „Mein Mitspieler wollte mir den Ruhm nicht gönnen, aber Jimmy Butler hat ein Triple-Double, also ist alles okay“, sagte „D-Wade“ im Anschluss an die Partie merklich angesäuert. Auch die Blicke, die er seinem jungen Kollegen zuwarf, zeugten von Wades Groll. Und das obwohl die Bulls gerade gegen den amtierenden Meister gewonnen hatten.

Russell Westbrook von den Oklahoma City Thunder erzielt per Dunking zwei Punkte.

Russell Westbrook hat mit 42 Triple-Doubles einen neuen NBA-Rekord aufgestellt.
Foto: getty images

Das Interessante an dieser Szene ist, dass Wade ganz genau um den Wert von Statistiken weiß und deshalb seinen Unmut im Zaum halten muss. Zum einen sind Stats der entscheidende Gradmesser, der wichtigste Indikator für die Leistung eines Spielers, zum anderen muss ein NBA-Profi nach außen immer den Anschein wahren, ihm ginge es zu jedem- Zeitpunkt ausschließlich um den Erfolg der Mannschaft und seine individuellen Statistiken seien eine unwichtige Nebensache. „Ganz ehrlich, ich kann die ganze Diskussion um das Triple-Double nicht mehr ertragen. Sie geht mir auf die Nerven“, sagte Westbrook Mitte Januar zu den Journalisten von „SB Nation“, als er darauf angesprochen wurde, dass er zum dritten Mal in Folge ohne TD geblieben war. „Die Leuten denken, wenn ich keines bekomme, sei es eine große Sache, und wenn ich eines auflege, denke sie ebenfalls, dass es etwas Besonderes sei. Lasst mich einfach spielen. Wenn ich eines erziele, erziele ich eines, und wenn nicht, dann eben nicht. Mich interessiert die Thematik beim hundertsten Mal einfach nicht mehr.“ 

Doch dem ist selbstverständlich nicht so. In Wirklichkeit ist ein TD für jeden NBA-Superstar reizvoll – und für Westbrook ganz besonders. Seit er und James Harden in Serie TDs auflegen, ist die Statline in den Köpfen der NBA-Profis. Nie zuvor, so scheint es, gab es eine größere Fixierung auf diesen statistischen Erfolg. Die täglichen Schlagzeilen über die beiden Triple-Double-Maschinen Harden und Westbrook führen dazu, dass inzwischen jeder NBA-Spieler einmal ein solches auflegen möchte.

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