BASKET

Quo vadis, Tim Duncan?

Zwei Wochen ist es her, da feierte Tim Duncan seinen 40. Geburtstag. Ein Alter, in dem sich viele Spieler bereits ihrer, all die Jahre zu kurz gekommenen, Familie widmen oder in der Karibik, aus der der vielleicht beste Power Foward aller Zeiten bekanntlich stammt, ihre Sport-Rente mit Cocktails am weißen Sandstrand zelebrieren. Nicht so der künftige Hall-Of-Famer Duncan. Er ist auch nach fünf gewonnen Meisterschaften weiter ein wichtiges Mitglied der ambitionierten und titelhungrigen San Antonio Spurs. Doch liegt die Betonung auf wichtig oder auf Mitglied?

Tim Duncan von den San Antonio Spurs verlässt den Court nach der Niederlage gegen die Oklahoma City Thunder.

Schwache Zahlen: Tim Duncan ist derzeit nur ein kleiner Faktor für den Erfolg der San Antonio Spurs.
Foto: getty images

Die Wichtigkeit und die Bedeutung Duncans in Frage zu stellen, scheint bei seiner Legacy blasphemisch. Und seine Zahlen sprechen weiterhin für ihn, so die landläufige Meinung. Aber wenn wir die Serie gegen die Oklahoma City Thunder einmal genauer unter die Lupe nehmen, kommen Zweifel auf. In Spiel vier stand „The Big Fundamental“ lediglich zwölf Minuten auf dem Court und kam erstmalig in seiner 19-jährigen Playoff-Karriere ohne eigenen Zähler nach Spielende in den Locker-Room. Gut, könnte man sagen, Duncan wurde geschont und Offense ist bei Mitspielern á la Kawhi Leonard, LaMarcus Aldridge und Tony Parker nicht seine primäre Aufgabe. Aber nein, die reduzierte Spielzeit war nicht wirklich eine Schonung. Coach Gregg Popovich reduzierte die Minuten seines Kapitäns bewusst, weil dieser in der aktuellen Serie gegen OKC kein Land sieht. In Spiel zwei durfte Duncan ganze 28 Minuten ran, traf aber lediglich einen seiner acht Korbversuche aus dem Feld und kam am Ende wie im darauffolgenden Spiel auf mickrige zwei Pünktchen. Auch in der Defense konnte der dreimalige Finals-MVP keine großen Zahlen vorweisen, sein Impact ist derzeit fraglich.

Doch Popovich weiß, was er seinem First-Pick von 1997 hat. Er weiß, wie wichtig er noch in dieser Postseason werden könnte. Vielleicht in einem möglichen Western Conference Final gegen die Golden State Warriors. In einem Matchup gegen Draymond Green oder Andrew Bogut. Aber gegen Serge Ibaka, der in diesen Playoffs 57,6 % seiner Dreier verwandelt und so wertvolles Spacing liefert, besitzt Duncan nicht mehr die Mobilität, um ihn erfolgreich aus dem Spiel zu nehmen.

Völlig klar ist jedoch, dass Tim Duncan ein Team-Player ist. Einer, für den seine eigenen Statistiken gänzlich egal sind. Was zählt, ist der Mannschaftserfolg. Und wenn seine Rolle darin besteht, in Clutch-Momenten als Einwerfer den Ballbesitz zu garantieren, dann ist das für ihn in Ordnung. Seine Aura und seine bescheidene Attitüde mitsamt der Gewinnermentalität sind die Eigenschaften, mit denen er auch mit 50 noch jedem Team helfen könnte.

Doch ist es nicht nur blasphemisch, sondern auch naiv, einen Tim Duncan abzuschreiben und seine Rolle auf seine Ausstrahlung zu beschränken? In engen Spielen zählt kaum etwas mehr als Erfahrung und Basketball-IQ und darüber verfügt der fünfzehnfache All Star wie kein Zweiter in der gesamten NBA. Diese Saison könnte endgültig die letzte von Duncan sein … Aber wie oft haben wir das schon gedacht und wurden eines Besseren belehrt? Wie viel hat der 40-Jährige noch im Tank? Sind schwache Spiele die Ausnahme, wie sie jeder einmal hat? Oder sehen wir gerade, wie bei einem Musik-Track aus den 1950er Jahren, einen Fade-Out einer der größten Karrieren aller Zeiten?

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