Vom deutschen Meister Bayern zum ProA-Aufsteiger aus Baunach. Im ersten Teil unseres großen BASKET-Interviews spricht der ehemalige DBB-Playmaker Steffen Hamann über die überraschende Rückkehr in seine Heimat, seinen Wunsch jungen Talenten etwas zurückzugeben und was er im Unterhaus des deutschen Basketballs am meisten vermisst. Den zweiten Teil des Interviews gibt´s hier.

Interview: Thomas Huesmann

BASKET: Steffen, 2014 bist du als Kapitän des großen FC Bayern München Deutscher Meister geworden, jetzt steckst du mit Baunach im Mittelfeld der Zweiten Liga fest (9. Platz; 11:14-Siege; Anm. d. Red.). Wie beurteilst du deinen Schritt bisher?

Steffen Hamann: Ich habe diesen Schritt nach Baunach in die Heimat und damit zurück zu meiner Familie ja bewusst getroffen und wusste, was auf mich zukommen wird. Insofern bereue ich nichts und genieße es auch ein bisschen. Zum Beispiel habe ich erstmals seit Jahren über Weihnachten acht Tage frei gehabt und konnte viel Zeit mit meiner Familie verbringen. Letztlich ist für mich langsam die Zeit gekommen, um körperlich und sportlich einen Gang zurückzuschalten. Natürlich wäre ich gern in München geblieben, aber ich wollte mich auf kein anderes Erstligaabenteuer mehr einlassen.

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Ab dieser Saison geht Steffen Hamann in der Pro A für Baunach auf Korbjagd und erzielt 7,4 PPS und 6,1 AS pro Spiel. Foto: Kilian Schmitt.

Dennoch muss dir der Schritt vom Trainingspensum und Professionalitätsgrad mit Sicherheit schwergefallen sein oder?

Also vom Pensum her sind wir eigentlich sehr gut bedient. Wir haben vielleicht an ein bis zwei Tagen mal etwas mehr Freizeit für uns, aber ansonsten wenn wir Training haben stehen wir auch zwei Mal am Tag in der Halle und absolvieren abends ein Training über zwei Zeitstunden. Allerdings ist die Trainingsintensität natürlich anders als zuletzt in München oder Berlin. Dort spielst du mit 14 gestandenen Profis, da ist die Intensität viel höher als hier in Baunach, wo es vor allem um die Entwicklung der jungen Spieler geht.

Machst du in puncto Training denn irgendwas anders oder zusätzlich, weil du es aus deiner Zeit in München oder Berlin noch so gewöhnt bist?

Nunja, also ich verbringe ab und zu schon mehr Zeit im Kraftraum, die ich früher nicht gebraucht habe, um meinen Körper fit zu halten und in Schuss zu bleiben. Es geht dabei vor allem darum, Verletzungen vorzubeugen, da ich mit bald 34 auch nicht mehr der Jüngste bin. Ich mache dann viele Köperstabilisierende Übungen. Viel für den Rücken, Rumpf und die Knie.

Du hast die Youngster bereits kurz angesprochen. Sie waren und sind ein wichtiger Grund für deine Rückkehr. Du willst den Talenten etwas zurückgeben und ihnen bei ihrer Entwicklung weiterhelfen. Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Zunächst mal habe ich mir viel Zeit genommen, um die Jungs abseits des Feldes kennenzulernen. Wir haben eine Jugend-WG, in der die Spieler wohnen und betreut werden. Da schaue ich häufiger vorbei und muss sagen, dass sie menschlich eine wirklich tolle Entwicklung nehmen. Dabei ist es nicht einfach, Schule und Profibasketball unter einen Hut zu bringen. Es ist sehr wichtig die Schule zu Ende zu bringen. Das war in meinem Fall ja auch so, dass ich die Schule durchgezogen und noch eine Ausbildung als Industriekaufmann zu Ende gemacht habe. Über solche Dinge unterhalten wir uns viel, und ich versuche, ihnen Ratschläge und Input aus meiner Karriere zu geben. 

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Kontrastprogramm: Statt Berlin, Oldenburg und Bamberg sind Steffens Gegner nun Heidelberg, Cuxhaven und Paderborn. Foto: SK-Foto-ART

Und wie sieht´s auf dem Basketball-Court aus? Welche Tipps gibt’s du ihnen da?

Sportlich versuche ich, den Jungs beizubringen, wie man sich in gewissen Situationen richtig verhält. Wie man das Tempo variiert, das Spiel liest und in Stresssituationen die Ruhe bewahrt. Da lasse ich dann viel meine Erfahrung einfließen. Zudem möchte ich ihnen vorleben, dass man durch harte Arbeit etwas erreicht. Ich war nie der talentierteste Basketballer, aber habe es durch viel Training und Kampf geschafft. Den Jungs muss klar werden, dass es nicht reicht, zwei oder drei Mal in der Zeitung zu stehen, um ein guter Spieler zu sein.

Klingt so, als hättest du eine perfekte Rolle gefunden, Gibt’s denn auch Dinge, die du aus deiner erfolgreichen Erstliga-Zeit in Bamberg, Berlin oder München vermisst?

Nun, wenn du auf höchstem europäischen Niveau gespielt hast, dann verstehst du dich im Training mit den anderen Profis blind und hast feste Automatismen. Diese können hier in Baunach mit einer so jungen Mannschaft nicht vorhanden sein. Ich muss zugeben, dass das anfangs auch mental erschöpfend und schwierig für mich war. Ich wusste zwar, dass das auf mich zukommen wird, aber so leicht ist das nicht. Wenn man zehn Jahre auf einem so hohen Niveau war, dann musst du auch das erstmal wieder verstehen. Aber da bin ich ruhig geblieben und habe mir eingeredet, dass das normal ist und das ich den Jungs nicht helfe, wenn ich mich darüber ärgere.

Wie verhält es sich mit der Aufmerksamkeit der Fans und Medien. Sehnst du dich dort manchmal nach deiner Erstligazeit zurück?

Also vor großen Kulissen zu spielen vermisse ich schon, das habe ich immer genossen und geschätzt. Wenn man wie kürzlich im Derby gegen Würzburg vor 5.000 Zuschauern spielt, dann ist das ein schönes Gefühl und das vermisst man. Das war für mich auch immer eine große Sache, wenn 6.000-10.000 Leute den Weg in die Halle finden. Das ist nicht selbstverständlich und das muss man als Profisportler respektieren.

 

Im zweiten Teil unseres großen BASKET-Interviews spricht der 131-fache Nationalspieler Steffen Hamann über seine Zukunftspläne, seine Favoriten in der Beko BBL und die Chancen des Nationalteams bei der EM 2015.